Mitglieder im Gespräch: Michael Bahrke (Die Eisdealer)

Die Eisdealer – die beliebteste Eismanufaktur der Stadt
Susan und Michael Bahrke haben eigentlich andere Jobs, aber in ihrer Freizeit sind sie „DIE EISDEALER“. Neben ihren Vollzeitjobs haben sie aus ihrer Leidenschaft für Eis und gutes Essen ein kleines Unternehmen gegründet, das besonderes Eis herstellt. Mal vegan, mal ungewöhnlich wie Sesam-Karamell, Milchreis – auch El Presidente genannt – oder Spekulatiuseis für den weihnachtlichen Nachtisch. Dazu gibt es selbstgebackene Waffelhörnchen, auch mal in schwarz mit Bio-Kokosnuss-Kohle gefärbt. Mit diesem Konzept wurden sie nach einem Jahr bereits die beliebteste Eisdiele der Stadt. Sie sind seit 2018 Mitglied bei nextMG.

nextMG: Wie ist eure Idee entstanden? Was treibt zwei Menschen, die Vollzeit arbeiten, dazu eine Eis-Manufaktur zu gründen?

Susan: Der Wunsch nach mehr Freizeit war es sicherlich nicht…

Michael: Aber mal im Ernst, die Eisdealer sind das komplette Gegenmodell zu unseren eigentlichen Jobs. Während ich im Büro Exceltabellen quäle und Powerpointfolien erstelle, kann ich im Eislabor meiner Leidenschaft frönen und unsere eigenen Eissorten kreieren. Ein Kindheitstraum!
Fast noch wichtiger ist für mich aber das unmittelbare Kundenfeedback. Einem Gast der Eisdealer einen Probierlöffel mit einer neuen Kreation zu reichen und dann seine Reaktion im Gesicht abzulesen, ist einfach unbezahlbar. Zum Glück sind diese Reaktionen meist sehr positiv und dass bei über 100 verschiedenen Sorten, die wir in den ersten beiden Jahren getestet haben.

nextMG: Was sind eure Erfolgsfaktoren gewesen – ihr wart im vergangenen Jahr in aller Munde?

Michael: Unser Erfolg beruht sicherlich auf unserer Leidenschaft für das was wir machen. Natürlich muss so ein Projekt auch betriebswirtschaftlich funktionieren, aber es steht nicht im Mittelpunkt. Das erlaubt es uns bei der Qualität keine Kompromisse eingehen zu müssen.
In unser Vanilleeis kommt eine mexikanische Gourmetvanille und sonst nix. Kein künstlich hergestelltes Aroma wie Vanillin, keine Farbstoffe und keine Konservierungsstoffe. Wir verwenden Milch die direkt vom Bauernhof kommt, nicht ultrahocherhitzt, nicht homogenisiert – ein echtes Naturprodukt. Dadurch sind unsere Rohstoffkosten erheblich teurer als bei anderen Eisdielen, aber das ist es uns wert, da man den Unterschied schmeckt.

Susan: Mit unserer Präsens beim Greta- und Claus-Markt, in der Kulturküche beim „eat & chill“, auf Kultur- und Musikfestivals arbeiten wir mit sehr vielen Menschen zusammen, die eine ähnliche Leidenschaft wie wir haben. Es ist toll ein Teil davon zu sein.

nextMG: Was hat euch das Gründen gebracht – welche Erfahrungen habt ihr gemacht, wie hat es euch verändert, vielleicht auch mit Blick auf eure „anderen Jobs“?

Michael: Die Selbstständigkeit bringt sehr viel Eigenverantwortung und Entscheidungen mit sich. Es gilt Ideen umzusetzen, mit Partnern zu kooperieren, sich und andere zu motivieren, aus Fehlern zu lernen und so ein Projekt mit innovativen Ideen immer weiter voranzubringen. In welchem Job kann man solche Erfahrungen nicht brauchen?

nextMG: Was würdet ihr jungen Gründern raten?

Susan: Glaubt an euch, glaubt an eure Idee, traut euch und setzt sie mit Leidenschaft um.

Michael: Testet eure Idee im Vorfeld der Gründung ausgiebig. Fragt Leute mit Erfahrung, die im Idealfall nicht aus eurem direkten Umfeld kommen. Stellt eure Idee zum Beispiel beim „meetupMG“ vor, diese Erfahrung und das Feedback bringen euch garantiert weiter.

nextMG: Gründen in Mönchengladbach, weil …

Susan & Michael: …die Stadt ist so herrlich unperfekt und gestaltbar! Daraus ergeben sich einfach viele Möglichkeiten und Projekte die man umsetzen kann. Und man ist nie allein. In Mönchengladbach finden sich sehr schnell Mitstreiter, wenn es darum geht Dinge auszuprobieren und die Stadt so ein Stückchen lebenswerter zu machen.

Mitglieder im Gespräch: Stefano Picco (spicOne)

Kommunikation gestalten – digital und analog

Stefano Picco ist der Kopf hinter der spicOne multimedia e.K. – er hat die Agentur für Kommunikations-Design 1999 gegründet. Stefano war auch Mitgründer der Bürogemeinschaft Sektor M an der Sophienstraße in der Alten Spinnerei, die 2007 gegründet wurde – einer der ersten Co-Working-Angebote in Mönchengladbach. Er ist Gründungsmitglied von nextMG.

nextMG: Stefano, was macht eine Agentur für Kommunikations-Design?

Stefano: Die Kernaufgabe ist es, die Sichtbarkeit von Unternehmen wortwörtlich greifbar zu machen oder diese zu optimieren. Das beste Produkt oder die genialste Dienstleistung kann nicht gefunden werden, wenn sie kein Erscheinungsbild hat – Stichwort Corporate-Design. Neben der Entwicklung oder auch Überarbeitung einer Wort-Bild-Marke, gilt es natürlich auch alle weiteren Elemente des Corporate-Designs, wie die Typografie und die Farben konzeptionell zu entwickeln und festzulegen. Websites, Apps, weitere Drucksachen, Branding, Merchandising etc. pp oder auch der Auftritt in sozialen Netzwerken gehören genauso dazu.

nextMG: Warum hast du gegründet – warum kein komfortabler Job in einer großen Agentur?

Stefano: Kreative Freiheit – ich habe in der Vergangenheit bereits in diversen Agenturen gearbeitet, sei es als Praktikant bis hin zum Leiter der Design-Abteilung mit Mitarbeitern. Dabei wurde schnell klar, dass es ab und an größeren Diskussionsbedarf gab, der nicht immer zielführend war und meiner persönlichen Vorstellung von guter Gestaltung entsprach. Und dann muss man sich entscheiden, auf vermeintliche Sicherheit setzen und unzufrieden werden oder das Wagnis der Selbstständigkeit starten.

nextMG: Du bist Teil vom Sektor M an der Sophienstraße – eine kreative Bürogemeinschaft – was sind die Vorteile einer solchen Gemeinschaft?

Stefano: Auch hier steht die Kreativität im Mittelpunkt, denn der kreative Austausch mit anderen Personen und anderen Branchen gibt einem einen großen Mehrwert und eröffnet neue Perspektiven. So entstehen Ideen und vor allem Lösungsansätze, auf die man alleine höchstwahrscheinlich nicht gekommen wäre. Kommunikation leben ist hier ein wichtiger Punkt. Aber es gibt natürlich auch ganz pragmatische Dinge, die speziell anfangs helfen. Eine gemeinsame Infrastruktur erleichtert und unterstützt die berufliche Entwicklung – in jeglicher Hinsicht. Ebenfalls ist der Aufbau des eigenen Netzwerks und letztendlich auch von Klienten, mit entsprechenden Synergieeffekten ein großer Benefit.

nextMG: Wenn du zurückblickst: was würdest du heute anderes machen und was würdest du jungen Gründern in deinem Feld raten?

Stefano: Das ist ganz schnell auf den Punkt gebracht. Speziell Kreative sollten sich frühzeitig und intensiv mit kaufmännischen Fragen beschäftigen oder sich direkt einen entsprechenden Partner ins Boot holen. Vieles muss bedacht und sorgfältig geplant werden. Denn am Ende steht und fällt viel mit den Finanzen – ob man das will oder nicht.

nextMG: Digitalisierung ist, …

Stefano: … eine großartige Erleichterung in vielen Bereichen und Steigerung der Effizienz. Es ist natürlich in Teilbereichen auch eine große Herausforderung – selbst im kreativen Bereich – aber wenn man es anpackt und sich dafür Zeit nimmt, profitiert man relativ schnell davon. Mehr Zeit und Energie für Konzeption, Gestaltung und neue Ideen.

Mitglieder im Gespräch: Dr. Norbert Miller (Scheidt & Bachmann)

Tradition mit Gründerspirit: Scheidt & Bachmann

Wer an einer Shopping Mall in Nairobi parkt, in Toronto Bus und Bahn nutzt oder in Berlin, Bern oder Mönchengladbach tankt, hat vermutlich schon einmal Scheidt & Bachmann Produkte benutzt. Das Familienunternehmen wurde 1872 gegründet und befindet sich derzeit unter der Führung von Dr.-Ing. Norbert Miller in der mittlerweile fünften Generation der Gesellschafterfamilie. Rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus fast 50 Nationen arbeiten weltweit an Lösungen für eine mobile Welt. Scheidt & Bachmann ist seit 2017 Mitglied von nextMG.

nextMG: Warum ist für ein Traditionsunternehmen wie Scheidt & Bachmann das Thema Gründung wichtig?

Dr. Norbert Miller: Wir leben in einer Zeit, in der sich die Marktanforderungen im Technologie-Sektor rasend schnell verändern. Durch die Gründung spezialisierter Unternehmen sind wir in der Lage, flexibel und kurzfristig auf diese Änderungen zu reagieren. Zum einen können sich die kleinen, somit agileren Strukturen besser auf neue Zielsetzungen konzentrieren, zum anderen hat es sich bewährt, durch gemeinsame Gründung mit ähnlich orientierten Unternehmen Know-how zu bündeln, um dadurch schneller Lösungen für neue Marktanforderungen zu finden.

nextMG: Sie haben eine lange Tradition – was verändert sich aus Ihrer Sicht gerade in der Wirtschaft?

Dr. Norbert Miller: Die technologischen Weiterentwicklungen bieten zahlreiche Möglichkeiten für neue, kundenfreundlichere und umweltentlastende Lösungen, vor allem im Mobilitätssektor. Hier nicht nur Schritt zu halten, sondern Vorreiter zu sein, ist unser Ziel. Wir hinterfragen unsere eigenen Systeme fortlaufend und investieren in unsere Innovationskraft. Eine große Veränderung findet zudem in der Unternehmenskultur allgemein statt. So sind heute zum Beispiel eine ausgeglichene Work-Life-Balance sowie ein flexibles Arbeitsumfeld Grundvoraussetzungen dafür, Mitarbeiter langfristig für sich zu gewinnen. Fachkräfte werden in Zeiten der digitalen Revolution und Internet 4.0 stark umworben. Somit sind heute wir Unternehmen am Zug, uns attraktiv aufzustellen, um die passenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf uns aufmerksam zu machen.

nextMG: Wie denken Sie muss sich der Standort Mönchengladbach entwickeln, um sich auf diese Veränderungen auszurichten?

Dr. Norbert Miller: Für Mönchengladbach wird es wichtig sein, attraktiven Lebensraum anzubieten, denn der ist für junge Fachkräfte genauso wichtig wie die Attraktivität der Unternehmen selbst, wenn es darum geht, ob sie in Mönchengladbach oder eher in Berlin oder München heimisch werden.

nextMG: Sie haben 2018 die Mehrheit an dem Start-up evopark erworben. Was war der Grund für eine solch enge Zusammenarbeit mit einem Start-up?

Dr. Norbert Miller: Scheidt & Bachmann entwickelt und produziert bereits seit 1966 Lösungen für das Parkraummanagement. Das Produkt „evopark“ eignet sich hervorragend für die Integration in unser Portfolio und stellt eine wichtige Komponente im Bereich der intelligenten Parkraumbewirtschaftung dar. Die enge Zusammenarbeit mit evopark, die schließlich zum Erwerb von Mehrheitsanteilen führte, war somit eine naheliegende Entscheidung und ein Beispiel für das eben angesprochene Investieren in unsere Innovationskraft.

nextMG: Digitalisierung bedeutet für Ihr Unternehmen …

Dr. Norbert Miller: Die Digitalisierung bestimmt nahezu unser gesamtes unternehmerisches Handeln, denn sie steckt in jedem unserer Systeme und hat im Umsatz die mechanischen Komponenten weit hinter sich gelassen. Alleine die Digitalisierung des Schienenverkehres in Deutschland „Digitale Schiene Deutschland“ wird durch unseren Geschäftsbereich „Systeme für Signaltechnik“ maßgeblich beeinflusst werden. Auch für die internen Prozesse bietet die Digitalisierung große Möglichkeiten. Das Vernetzen unserer Mitarbeiter weltweit und das Teilen von Wissen ist eine wichtige Voraussetzung für unseren zukünftigen Erfolg. Neben der Digitalisierung zahlreicher Prozesse haben wir beispielsweise gerade eine Mitarbeiter App eingeführt, die für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit eine Zeitenwende in der Kommunikation bedeutet und ohne die Digitalisierung nicht möglich wäre.

Mitglieder im Gespräch: Andreas Cüppers (Borussia Mönchengladbach)

Ab sofort stellen wir im regelmäßigen Turnus einzelne unserer Mitglieder vor und befragen sie zu spezifischen Themen mit Bezug zu unseren Säulen Gründergeist, Digitale Transformation und IT-Bildung. Den Auftakt macht …

Borussia Mönchengladbach ist sicherlich eines der prominentesten Mitglieder von nextMG. Seit Sommer 2018 unterstützen die Fohlen nextMG. Warum ist einem Fußballverein das Thema Digitalisierung und Gründer wichtig? Ein Gespräch mit Andreas Cüppers, Abteilungsleiter Digitale Entwicklung bei Borussia Mönchengladbach.

nextMG: Andreas, du bist Abteilungsleiter Digitale Entwicklung bei Borussia; was entwickelt sich bei Borussia digital – abgesehen von den Bestellprozessen für Tickets?

Cüppers: Die Ticket- und Bestellprozesse sind natürlich etwas, was für den Fan unmittelbar sichtbar ist. Da gibt es sicherlich auch noch eine ganze Reihe an anderen Dingen, die wir anpacken wollen und zum Teil auch anpacken müssen, weil unser Angebot da einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Insgesamt arbeiten wir daran, an den Stellen digitale Technologien einzuführen und zu nutzen, an denen es aus unserer Sicht sinnvoll ist. Das ist es, wenn wir den Service für die Fans verbessern können oder wenn wir Prozesse beschleunigen oder vereinfachen können. Demzufolge ergibt sich ein breites Spektrum an Themen, an denen wir arbeiten. Intern wie extern.

nextMG: Borussia hat in 2018 zum ersten Mal an der Virtuellen Bundesliga teilgenommen. Da wird der Meister an der „Playstation 4“ und der „Xbox one“ ausgespielt. Wie schaut man sich die Spiele als Interessierter an und welche Bedeutung hat das für euch als Bundesligaverein?

Cüppers: Die Spiele in der Virtuellen Bundesliga, das ist der offizielle eFootball-Wettbewerb der Deutschehn Fußball-Liga (DFL), werden beispielsweise einmal wöchentlich bei ProSiebenMaxx gezeigt, also im frei empfangbaren Fernsehen zur besten Sendezeit. Dort sind aber immer nur ausgewählte Spiele zu sehen. Wer zum Beispiel unsere Spiele alle in voller Länge sehen möchte, dem sei unser eigener Kanal auf der kostenlosen Streaming-Plattform Twitch empfohlen. Dort gibt es immer einen kommentierten Livestream von unseren Spielen. Auf der Plattform Twitch sieht man auch ganz gut, welch stark wachsender Markt E-Sports schon jetzt ist. Das Angebot an Livestreams ist riesig, die Zuschauerzahlen wachsen ebenso rasant wie die Preisgelder. Für uns ist das Engagement eine gute Möglichkeit, junge Zielgruppen zu erreichen, die im E-Sports eben vorhanden sind und die wir als Fußballverein auf anderen Wegen nicht mehr so leicht erreichen wie noch vor einigen Jahren.

nextMG: Wie ist denn die Bilanz der virtuellen Fohlen?

Cüppers: Auch wenn für uns der rein sportliche Erfolg im E-Sports nicht im Vordergrund steht, so freuen wir uns natürlich, dass wir an den Konsolen derzeit auch sehr gute Ergebnisse erzielen. Zwei unserer Spieler gehören gemessen an den Ergebnissen und Turnieren in der „Fifa 20“-Saison derzeit zu den zehn besten Spielern der Welt und in der angesprochenen Virtuellen Bundesliga gehören wir momentan auch zu den Topteams und können uns berechtigte Hoffnungen machen auf eine direkte Qualifikation für das Grand Final im März 2020.

nextMG: Wir sind ja nicht nur ein Verein, der digitale Transformation vorantreiben will, sondern wir wollen auch das Thema Gründung fördern. Im vergangenen Jahr gab beispielsweise der 1. FC Köln bekannt, dass er, um an der Weiterentwicklung des Sportmarkts zu profitieren, ein Programm zur Förderung von Startups aus dem Sport auflegen wird. Wie sieht es da bei Borussia aus?

Cüppers: Wir beobachten sehr genau, was andere Klubs in diesem Bereich machen, da wir grundsätzlich davon überzeugt sind, dass auch uns die Zusammenarbeit mit Startups gut tun würde. Wir nehmen auch wahr, dass wir dafür nicht nach Berlin oder sonstwo hinschauen müssen, sondern uns an unserem Heimatstandort Mönchengladbach nicht zuletzt auch durch nextMG schon sehr gut vernetzen können. Ich bin guter Hoffnung, dass wir da in absehbarer Zeit auch etwas in die Wege leiten können, was zur Förderung von Startups beitragen kann.

nextMG: Abschließend noch die Bitte diesen Satz zu vervollständigen: Die Digitalisierung …

Cüppers: …bietet uns bislang ungeahnte Möglichkeiten, die wir nur nutzen müssen.