Mitglieder im Gespräch: Dr. Norbert Miller (Scheidt & Bachmann)

Tradition mit Gründerspirit: Scheidt & Bachmann

Wer an einer Shopping Mall in Nairobi parkt, in Toronto Bus und Bahn nutzt oder in Berlin, Bern oder Mönchengladbach tankt, hat vermutlich schon einmal Scheidt & Bachmann Produkte benutzt. Das Familienunternehmen wurde 1872 gegründet und befindet sich derzeit unter der Führung von Dr.-Ing. Norbert Miller in der mittlerweile fünften Generation der Gesellschafterfamilie. Rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus fast 50 Nationen arbeiten weltweit an Lösungen für eine mobile Welt. Scheidt & Bachmann ist seit 2017 Mitglied von nextMG.

nextMG: Warum ist für ein Traditionsunternehmen wie Scheidt & Bachmann das Thema Gründung wichtig?

Dr. Norbert Miller: Wir leben in einer Zeit, in der sich die Marktanforderungen im Technologie-Sektor rasend schnell verändern. Durch die Gründung spezialisierter Unternehmen sind wir in der Lage, flexibel und kurzfristig auf diese Änderungen zu reagieren. Zum einen können sich die kleinen, somit agileren Strukturen besser auf neue Zielsetzungen konzentrieren, zum anderen hat es sich bewährt, durch gemeinsame Gründung mit ähnlich orientierten Unternehmen Know-how zu bündeln, um dadurch schneller Lösungen für neue Marktanforderungen zu finden.

nextMG: Sie haben eine lange Tradition – was verändert sich aus Ihrer Sicht gerade in der Wirtschaft?

Dr. Norbert Miller: Die technologischen Weiterentwicklungen bieten zahlreiche Möglichkeiten für neue, kundenfreundlichere und umweltentlastende Lösungen, vor allem im Mobilitätssektor. Hier nicht nur Schritt zu halten, sondern Vorreiter zu sein, ist unser Ziel. Wir hinterfragen unsere eigenen Systeme fortlaufend und investieren in unsere Innovationskraft. Eine große Veränderung findet zudem in der Unternehmenskultur allgemein statt. So sind heute zum Beispiel eine ausgeglichene Work-Life-Balance sowie ein flexibles Arbeitsumfeld Grundvoraussetzungen dafür, Mitarbeiter langfristig für sich zu gewinnen. Fachkräfte werden in Zeiten der digitalen Revolution und Internet 4.0 stark umworben. Somit sind heute wir Unternehmen am Zug, uns attraktiv aufzustellen, um die passenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf uns aufmerksam zu machen.

nextMG: Wie denken Sie muss sich der Standort Mönchengladbach entwickeln, um sich auf diese Veränderungen auszurichten?

Dr. Norbert Miller: Für Mönchengladbach wird es wichtig sein, attraktiven Lebensraum anzubieten, denn der ist für junge Fachkräfte genauso wichtig wie die Attraktivität der Unternehmen selbst, wenn es darum geht, ob sie in Mönchengladbach oder eher in Berlin oder München heimisch werden.

nextMG: Sie haben 2018 die Mehrheit an dem Start-up evopark erworben. Was war der Grund für eine solch enge Zusammenarbeit mit einem Start-up?

Dr. Norbert Miller: Scheidt & Bachmann entwickelt und produziert bereits seit 1966 Lösungen für das Parkraummanagement. Das Produkt „evopark“ eignet sich hervorragend für die Integration in unser Portfolio und stellt eine wichtige Komponente im Bereich der intelligenten Parkraumbewirtschaftung dar. Die enge Zusammenarbeit mit evopark, die schließlich zum Erwerb von Mehrheitsanteilen führte, war somit eine naheliegende Entscheidung und ein Beispiel für das eben angesprochene Investieren in unsere Innovationskraft.

nextMG: Digitalisierung bedeutet für Ihr Unternehmen …

Dr. Norbert Miller: Die Digitalisierung bestimmt nahezu unser gesamtes unternehmerisches Handeln, denn sie steckt in jedem unserer Systeme und hat im Umsatz die mechanischen Komponenten weit hinter sich gelassen. Alleine die Digitalisierung des Schienenverkehres in Deutschland „Digitale Schiene Deutschland“ wird durch unseren Geschäftsbereich „Systeme für Signaltechnik“ maßgeblich beeinflusst werden. Auch für die internen Prozesse bietet die Digitalisierung große Möglichkeiten. Das Vernetzen unserer Mitarbeiter weltweit und das Teilen von Wissen ist eine wichtige Voraussetzung für unseren zukünftigen Erfolg. Neben der Digitalisierung zahlreicher Prozesse haben wir beispielsweise gerade eine Mitarbeiter App eingeführt, die für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit eine Zeitenwende in der Kommunikation bedeutet und ohne die Digitalisierung nicht möglich wäre.

Mitglieder im Gespräch: Andreas Cüppers (Borussia Mönchengladbach)

Ab sofort stellen wir im regelmäßigen Turnus einzelne unserer Mitglieder vor und befragen sie zu spezifischen Themen mit Bezug zu unseren Säulen Gründergeist, Digitale Transformation und IT-Bildung. Den Auftakt macht …

Borussia Mönchengladbach ist sicherlich eines der prominentesten Mitglieder von nextMG. Seit Sommer 2018 unterstützen die Fohlen nextMG. Warum ist einem Fußballverein das Thema Digitalisierung und Gründer wichtig? Ein Gespräch mit Andreas Cüppers, Abteilungsleiter Digitale Entwicklung bei Borussia Mönchengladbach.

nextMG: Andreas, du bist Abteilungsleiter Digitale Entwicklung bei Borussia; was entwickelt sich bei Borussia digital – abgesehen von den Bestellprozessen für Tickets?

Cüppers: Die Ticket- und Bestellprozesse sind natürlich etwas, was für den Fan unmittelbar sichtbar ist. Da gibt es sicherlich auch noch eine ganze Reihe an anderen Dingen, die wir anpacken wollen und zum Teil auch anpacken müssen, weil unser Angebot da einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Insgesamt arbeiten wir daran, an den Stellen digitale Technologien einzuführen und zu nutzen, an denen es aus unserer Sicht sinnvoll ist. Das ist es, wenn wir den Service für die Fans verbessern können oder wenn wir Prozesse beschleunigen oder vereinfachen können. Demzufolge ergibt sich ein breites Spektrum an Themen, an denen wir arbeiten. Intern wie extern.

nextMG: Borussia hat in 2018 zum ersten Mal an der Virtuellen Bundesliga teilgenommen. Da wird der Meister an der „Playstation 4“ und der „Xbox one“ ausgespielt. Wie schaut man sich die Spiele als Interessierter an und welche Bedeutung hat das für euch als Bundesligaverein?

Cüppers: Die Spiele in der Virtuellen Bundesliga, das ist der offizielle eFootball-Wettbewerb der Deutschehn Fußball-Liga (DFL), werden beispielsweise einmal wöchentlich bei ProSiebenMaxx gezeigt, also im frei empfangbaren Fernsehen zur besten Sendezeit. Dort sind aber immer nur ausgewählte Spiele zu sehen. Wer zum Beispiel unsere Spiele alle in voller Länge sehen möchte, dem sei unser eigener Kanal auf der kostenlosen Streaming-Plattform Twitch empfohlen. Dort gibt es immer einen kommentierten Livestream von unseren Spielen. Auf der Plattform Twitch sieht man auch ganz gut, welch stark wachsender Markt E-Sports schon jetzt ist. Das Angebot an Livestreams ist riesig, die Zuschauerzahlen wachsen ebenso rasant wie die Preisgelder. Für uns ist das Engagement eine gute Möglichkeit, junge Zielgruppen zu erreichen, die im E-Sports eben vorhanden sind und die wir als Fußballverein auf anderen Wegen nicht mehr so leicht erreichen wie noch vor einigen Jahren.

nextMG: Wie ist denn die Bilanz der virtuellen Fohlen?

Cüppers: Auch wenn für uns der rein sportliche Erfolg im E-Sports nicht im Vordergrund steht, so freuen wir uns natürlich, dass wir an den Konsolen derzeit auch sehr gute Ergebnisse erzielen. Zwei unserer Spieler gehören gemessen an den Ergebnissen und Turnieren in der „Fifa 20“-Saison derzeit zu den zehn besten Spielern der Welt und in der angesprochenen Virtuellen Bundesliga gehören wir momentan auch zu den Topteams und können uns berechtigte Hoffnungen machen auf eine direkte Qualifikation für das Grand Final im März 2020.

nextMG: Wir sind ja nicht nur ein Verein, der digitale Transformation vorantreiben will, sondern wir wollen auch das Thema Gründung fördern. Im vergangenen Jahr gab beispielsweise der 1. FC Köln bekannt, dass er, um an der Weiterentwicklung des Sportmarkts zu profitieren, ein Programm zur Förderung von Startups aus dem Sport auflegen wird. Wie sieht es da bei Borussia aus?

Cüppers: Wir beobachten sehr genau, was andere Klubs in diesem Bereich machen, da wir grundsätzlich davon überzeugt sind, dass auch uns die Zusammenarbeit mit Startups gut tun würde. Wir nehmen auch wahr, dass wir dafür nicht nach Berlin oder sonstwo hinschauen müssen, sondern uns an unserem Heimatstandort Mönchengladbach nicht zuletzt auch durch nextMG schon sehr gut vernetzen können. Ich bin guter Hoffnung, dass wir da in absehbarer Zeit auch etwas in die Wege leiten können, was zur Förderung von Startups beitragen kann.

nextMG: Abschließend noch die Bitte diesen Satz zu vervollständigen: Die Digitalisierung …

Cüppers: …bietet uns bislang ungeahnte Möglichkeiten, die wir nur nutzen müssen.