Israel macht es vor – wir brauchen mehr „Jalla-jalla“ in MG!

Anfang September bin ich als Vorstandsmitglied von nextMG und als Unternehmer auf die Delegationsreise der IHK Mittlerer Niederrhein nach Israel mitgefahren. Ziel der Reise war es, die StartUp-Szene in Tel Aviv und Jerusalem näher kennenzulernen. In einem Land, dass von allen Seiten bedroht wird, hängt viel vom Fortschritt und vom „schneller sein“ ab. Alles muss „Jalla-jalla!“ (Zack-zack) erledigt sein. In wenigen Tagen merkt man, dass in Israel alles intensiver passiert, nichts muss auf Dauer so bleiben wie es heute noch ist.

Ein guter Satz, den ich auf der Reise gehört habe: „Ein Israeli kennt den kürzesten Weg zur zweibesten Lösung!“. Es entspricht in Ungefähr unserem 80:20 Prinzip – man muss eben nicht alles bis in die Perfektion treiben, bevor man es auf die Welt loslässt. Gerade im Bereich der Digitalisierung gilt: Man sollte früher mit Feldtests beginnen und dann mit dem Feedback der Kunden arbeiten. Es muss eben schneller zu brauchbaren Ergebnissen kommen und das wiederum wird honoriert in Form von Förderung durch Venture Capital.

Was ist also die Erkenntnis der Reise? Wir haben in Deutschland, in NRW, im Rheinland und in Mönchengladbach noch viel Luft nach oben! Wer einmal sein eigenes Land und die Entscheidungen dort von außen betrachten konnte, wundert sich, dass wir als Wirtschafts-Supermacht durchgehen. Die Agilität die man in den USA (Silicon Valley) oder auch in Israel (Tel Aviv oder Jerusalem) wahrnimmt ist – im Gegensatz zu deutschen Unternehmungen – doch eher wie der Vergleich ICE zur Regionalbahn.

Nun will ich hier nicht der Nestbeschmutzer sein, der bei uns alles schlecht redet. Die Bemühungen Einzelner sind vorhanden und durchaus vergleichbar zu dem oben genannten Schnellzug, aber es fehlt uns komplett an der Breite und der Nachhaltigkeit, verglichen mit den anderen Ländern. Es fehlt einfach eine Gründerkultur – oder sie ist uns abhandengekommen. Vielleicht ist Deutschland wie ein Supertanker oder Kreuzfahrtschiff – unglaublich mächtig, aber in Zeiten der Digitalisierung zu behäbig. Wir müssen wie kleine Schnellboote sein – unglaublich viele, kleine, aber eben wesentlich wendigere und schneller Boote! Und ja, in Schnellbooten wird man auch mal nass, aber es macht auch irrsinnig viel mehr Spaß.

Damit komme ich auf das weitere Problem in Deutschland und auch in Mönchengladbach:
Auf der einen Seite fehlt es uns im Bereich der öffentlichen Hand durchgängig vom Bund bis zur Lokalpolitik an Vordenkern, die das Gold der Digitalisierung für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland vollständig erkennen und konsequent und flächig fördern. Darum haben wir den Verein nextMG gegründet, um diese Entwicklung in Mönchengladbach voranzutreiben. Die Digitalisierung als Chance zu begreifen und von der Grundschule an über jegliche Bildungsstufe die Fähigkeit eines jeden Einzelnen in diesem Bereich zu fördern, ist existenziell – und es geht hier um mehr als ein paar Laptops in der Schule!

Ist nun alles schlecht bei uns? Mitnichten – wir haben eine breite Wirtschaft mit extrem viel Mittelstand, der auch sehr innovativ ist. Was uns aber deutlich fehlt ist eine innovationsfreudige Digitalwirtschaft auf ebenso breiter Front (StartUps, Kleinunternehmer und Mittelstand). Diese müssen konsequent gefördert werden und deren „Rohstoff“ sind Absolventen und Berufsanfänger, die diese Materie tief durchdrungen haben und Lust haben etwas Digitales zu schaffen – das fängt eben bei Grundschülern an! Wir müssen Lust auf Mathematik, Naturwissenschaften und Programmierung wecken. Dadurch wird nicht jeder einen solchen Beruf ergreifen, aber wie sollen die Kinder und Jugendlichen ihre Talente in diesem Bereich erkennen, wenn wir sie nicht dazu ermutigen?

Wir müssen ebenso die Infrastruktur schaffen, so dass die Digitalwirtschaft mit ihren Start-Ups und mittelständigen Unternehmen einfach und überall Zugang hat: Wir brauchen die Glasfaser, auch in Mönchengladbach – es handelt sich um die wirtschaftlichen Autobahnen der Gegenwart und Zukunft! Wir müssen das Thema Digitalisierung stärker auf die Agenda der Ausbildungspläne, der Unternehmenslenker und lokalen Politik setzen! Wir haben auch in Mönchengladbach genug Möglichkeiten, aber: wir müssen aus unserer eigenen Komfortzone raus und es tun. Wir brachen in Mönchengladbach mehr „Ruck“ – der Standort muss sich auf die Digitalisierung einstellen – andere Länder machen es uns doch vor – warum nicht direkt damit starten? Was hält uns auf?

 

 

Das Polizeipräsidium – schlummerndes Potential für den Innovationstransfer in Mönchengladbach

Am Wirtschaftsstandort Mönchengladbach schlummert Potential, tief und fest. Mönchengladbach hat als einer der Standorte der Hochschule Niederrhein rund 8.000 Studentinnen und Studenten in verschiedenen Fachrichtungen, die jeden Tag in der Stadt lernen und ihr Wissen erweitern. Was geschieht mit diesem Potential? Viele der Studierenden werden die Stadt verlassen, weil sie in anderen Städten attraktive Arbeitgeber finden, einige werden bleiben und am Standort Arbeit finden. Wie können wir letzteres verstärkt für die Stadt nutzen?

Was wir in Mönchengladbach dazu brauchen ist ein Ökosystem, dass Gründungen aus der Hochschule heraus fördert und den technik- und wissensbasierten Innovationstransfer in die ansässigen Unternehmen unterstützt. Dabei geht es nicht nur um technisch-orientierte Studiengänge. Textilien werden immer mehr als Material in der Industrie als technische Textilien eingesetzt, Mönchengladbach hat die entsprechenden Nachwuchskräfte und Innovationsträger; der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik in Mönchengladbach gehört zu den größten Studienorten für den textilen Ingenieurnachwuchs in Europa. Smarte Textilien, die mit Sensoren ausgestattet sind und so Daten erheben oder sich steuern lassen, gelten als Zukunftsthema. Ein anderer Bereich, der an der Hochschule Niederrhein stark ist, wird in Zukunft eine immer größere Bedeutung bekommen: Ernährung. Der entsprechende Fachbereich an der Hochschule Niederrhein, Oecotrophologie, ist mit rund 900 Studierenden der größte Oecotrophologie-Fachbereich an deutschen Fachhochschulen.

Was Mönchengladbach braucht, um dieses Potential für die Stadt unternehmerisch nutzbar zu machen, ist ein Ort an dem sich verschiedene Kreise treffen – Experten sprechen von der Triple Helix (siehe auch Präsentation). Die drei Elemente, Hochschule, Wirtschaft und Politik schaffen durch einen stärkeren Austausch ein positives Umfeld, um wissensbasierte Innovationen zu befördern und nutzbar zu machen.

Mit dem freiwerdenden Polizeipräsidium an der Theodor-Heuss-Straße, in der unmittelbaren Nähe zur Hochschule, hat Mönchengladbach die einmalige Chance, einen solchen Ort zu schaffen. Dort könnten Unternehmen, Studierende und Gründer einen Austausch in Gang setzen, der sich am Ende nur positiv auf den Wirtschaftsstandort Mönchengladbach, seine Innovationsfähigkeit und seine Beschäftigung auswirken wird. Als nextMG würden wir eine entsprechende Planung begrüßen, damit sich ein dynamisches Ökosystem für Gründer und eine Basis für wissensbasierten Innovationstransfer in der Stadt nachhaltig entwickeln kann.

 

 

Online-Ansicht

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Warum uns Gründerkultur für den Standort Mönchengladbach so wichtig ist

Innovative Ideen werden überall auf der Welt geboren und mit fortschreitender Digitalisierung immer stärker außerhalb von Unternehmen. Da der Innovationsprozess immer mehr von Produktions- und Investitionsmitteln unabhängiger geworden ist, können Forscher, Erfinder und kreative Unternehmer Innovationen in die Märkte bringen, ohne das Risiko einer investitionsintensiven Produktions- und Entwicklungsinfrastruktur zu tragen. Experten sprechen von der Demokratisierung des Innovationsprozesses. Gerade im Bereich Digitalisierung hat sich der Innovationsprozess radikal verändert. Anders gesagt: Es wird immer einfacher aus einer fixen Idee ein Produkt zu machen.

Open Innovation – das globale Wissen nutzen

Die großen Unternehmen dieser Welt haben bereits reagiert und entsprechende Andockstationen an ihre Prozesse entwickelt: Das Managementkonzept nennt sich Open Innovation. Kurz gesagt: Warum auf 3, 35 oder 350 eigene Forscher setzen, um Innovationen zu kreieren, wenn es auf der Welt x-Tausende Experten zu dem Thema gibt, deren Kreativität genutzt werden kann? Große Unternehmen gründen auch in Deutschland so genannte Corporate Inkubatoren oder Open Innovation Hubs (hub:raum der Deutschen Telekom, greenhouse von Gruner + Jahr, der Versicherungskonzern Allianz hat einen Digital Accelerator gegründet).

Aber ist diese Entwicklung nur relevant für Großunternehmen? Brauchen wir das in Mönchengladbach?

Was hat das mit Mönchengladbach zu tun?

Ja! Die Art wie Innovationen entstehen hat sich in den vergangenen 100 Jahren rapide verändert. Der bisherige Weg, nur auf unternehmenseigene Experten zu setzen und Entwicklungen (Research & Development) zu betreiben, wird immer stärker, wie oben beschrieben, durch Kooperationen mit Innovatoren außerhalb der Unternehmen ergänzt. Was bedeutet das für einen Wirtschaftsstandort wie Mönchengladbach und die ansässigen Unternehmen? Mittelständische und kleinere Unternehmen brauchen eine Infrastruktur, um am Trend der Open Innovation zu partizipieren. Nicht jedes mittelständische Unternehmen kann in diesen Bereich investieren und eigene Corporate Inkubatoren, Gründerzentren und Start-Up Garagen betreiben, das wäre zu kleinteilig und kostenintensiv. Wir brauchen ein Gründerklima und Gründerorte in der Stadt. Die Gründung eines offenen Gründerzentrums, das förderwürdige Gründerideen unterstützt und bei der Entwicklung hilft, könnte ein wichtiger Baustein auf diesem Weg sein. Dabei müsste innovative Gründer und Ideen aus allen Bereichen zusammengebracht werden: Hochschule Niederrhein, Unternehmen, Wirtschaftsförderung, IHK und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Erst so kann ein Umfeld geschaffen werden, das eine umfassende Gründerkultur in der Stadt entstehen lässt und nicht nur auf Teilbereichen wie Gründer aus der Hochschule begrenzt bleibt.

Was trägt nextMG zum Aufbau einer Gründerkultur bei?

Am Aufbau dieser Szene arbeitet der Verein nextMG. Wir wollen, dass es mehr niedrigschwellige Anlaufpunkte für Interessierte gibt, darum veranstalten wir jeden ersten Dienstag im Monat ein „meetup“ – ein zwangloses Treffen von Leuten, die sich austauschen und Projekte vorstellen können. Wir haben als nextMG zusammen mit dem Startplatz den ersten Rheinland-Pitch im Juni nach Mönchengladbach geholt, um das Thema Gründung und Start-ups auf die Agenda der Stadt zu setzen. Zudem hat sich die Stadt Mönchengladbach am Digital Hub Rheinland beteiligt. Digihub

Die regionalen Plattformen sollen informieren und Anlaufpunkt für nationale und internationale Gründer sein. Sie sollen so zur Drehscheibe für Kooperationen von Startups, Mittelstand und Industrie für digitale Geschäftsmodelle und -prozesse werden. Wir haben den SMS-Businesspark aktiv beim Aufbau des westend.space beraten, weil wir denken, dass Ort wie der space einen Austausch zwischen Wirtschaft, Studierenden und Gründern erst möglich macht. Wir sind für weitere Projekte offen und stehen gerne mit unserer Expertise zur Verfügung. Wir wollen dabei das Rad nicht zwei Mal erfinden und wollen die Angebote unserer Vereinsmitglieder wie bspw. Wirtschaftsförderung (wfmg), IHK, Stadtsparkasse und Hochschule Niederrhein integrieren. So haben wir im August 2017 zusammen mit der IHK Rheinland eine Reise für Start-ups nach Israel gefördert – Israel gilt neben dem Silicon Valley in den USA als Hot Spot für technikbasierte Innovationen und Gründer.