KI prompt reversed
Ein Interview mit Susanne Schückhaus, neue Vorstandsvorsitzende von nextMG
Normalerweise fragen wir die KI. Für diesen Blogbeitrag haben wir es umgedreht: Wir haben eine KI gebeten, unsere neue Vorstandsvorsitzende Susanne Schückhaus auf Grundlage ihrer Präsentation zur Mitgliederversammlung 2026 kritisch zu befragen – zur Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Strategie von nextMG für 2026–2029. Denn bei nextMG ist Künstliche Intelligenz kein Kurswechsel, sondern die logische Fortsetzung dessen, was der Verein seit zehn Jahren macht. Die drei Säulen Kompetenzen, Innovation / Gründerkultur und Transformation bleiben – KI wird darin einfach zum neuen Treiber.
Doch was kommt raus, wenn man sich von der Technologie befragen lässt, die man sonst befragt. Das Ergebnis: ein Gespräch, das nicht immer bequem oder leicht war und genau deshalb ehrlicher, als jedes Hochglanz-Statement es gewesen wäre.

Claude: Susanne, in eurem neuen Strategiepapier nennt ihr KI selbst „den Turbo der digitalen Transformation mit programmiertem Bremsversagen“. Das klingt wie eine Warnung und trotzdem macht ihr genau diese Technologie zum Zentrum eurer kompletten Vereinsarbeit für die nächsten drei Jahre. Widerspricht sich das nicht?
Susanne Schückhaus: Im Gegenteil, gerade deshalb ist es wichtig. Weil KI so mächtig sein kann, müssen wir sie verstehen lernen, verstehen, wie sie funktioniert, was sie kann und was nicht. Nur dann können wir sie sowohl effizient nutzen als auch kontrollieren. Sie wird nicht mehr verschwinden, sie wird zu einem ganz alltäglichen Werkzeug. Wie mächtig sie noch werden kann, sieht man an den führenden Anbietern dieser Welt. Wegschauen ist keine Option – verstehen schon.
Claude: Ein gutes Beispiel dafür, wie ernst diese Frage inzwischen genommen wird, hat sich sogar erst vor wenigen Wochen abgespielt: Im Juni hat die US-Regierung das leistungsfähigste Modell von Anthropic per Exportkontrolle für alle Nicht-US-Bürger gesperrt – wegen eines gemeldeten Jailbreaks, mit dem sich in engen Fällen bekannte Softwareschwachstellen aufspüren ließen. Anthropic selbst hat öffentlich widersprochen, dass das eine exklusive Gefahr des neuen Modells war – auch schwächere, frei verfügbare Modelle konnten das. Die Sperre wurde nach 18 Tagen wieder aufgehoben, über 100 Cybersicherheits-Fachleute hatten sich zwischenzeitlich sogar dafür eingesetzt, weil sie eher Verteidigern als Angreifern schadete. Selbst die mächtigsten Player der Welt – Regierungen, Anthropic, OpenAI – ringen also live um Kontrolle und Regeln bei diesem Thema. Mit welcher Berechtigung glaubt ein Verein aus einer 280.000-Einwohner-Stadt am Niederrhein, das im Griff zu haben?
Susanne Schückhaus: Wir behaupten gar nicht, das „im Griff“ zu haben – das hat, wie du gerade gezeigt hast, nicht mal die Weltspitze der Tech-Branche. Aber wir glauben, dass in unserer Stadt schon heute einiges an Wissen und Erfahrung steckt, das wir sichtbar und für andere nutzbar machen können. In den Schulen wollen wir dafür sorgen, dass Jugendliche das Werkzeug KI kennenlernen und lernen, es einzusetzen, zu bewerten und zu hinterfragen – nicht blind zu vertrauen, aber auch nicht ängstlich zu verweigern. Genau dieses Wechselspiel aus Neugier und Skepsis wollen wir in der ganzen Stadt etablieren: bei Jugendlichen genauso wie bei Erwachsenen, in Unternehmen wie in der Verwaltung.
Claude: Ihr wollt in Mönchengladbach sogar ein Unternehmen sehen, das mit den großen US-KI-Anbietern mithalten kann, und dafür eigene Fördertöpfe für KI-Startups auftun. Ehrlich gesagt: Die großen Anbieter verbrennen Milliarden für Rechenzentren und Chips, bevor überhaupt ein Modell fertig trainiert ist. Wie soll das realistisch gemeint sein?
Susanne Schückhaus: Ganz klar in der Nische, nicht in der Größe. Es geht uns nicht darum, das nächste eigene Sprachmodell zu bauen, sondern darum, jungen Menschen die Rahmenbedingungen zu geben, damit sie ihre Ideen hier umsetzen können. Bei den ganz großen Erfolgsgeschichten der Digitalwirtschaft hat am Anfang oft niemand geglaubt, dass daraus etwas Großes wird. Es ging nie um die beste Technologie, sondern um die beste Anwendung zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und da haben wir in Mönchengladbach etwas, das man nicht einfach kopieren kann: unsere Tradition in der produzierenden Industrie. Prozesswissen, Materialkunde, Fertigungserfahrung über Generationen – das ist Wissen, das sich kein Sprachmodell einfach aus dem Internet zusammensucht. Wenn wir das mit den Möglichkeiten der KI zusammenbringen, kann daraus etwas Einzigartiges entstehen. Ich muss nicht selbst wissen, wie das geh. Wir wollen als Verein nur dafür sorgen, dass junge Menschen wissen: Eine gute Idee lässt sich hier in Mönchengladbach umsetzen. Weil wir noch Industrie haben, aber auch ein starkes Dienstleistungsgewerbe und viele Unternehmer:innen, die sich für eine gute Idee aktivieren lassen.
Claude: Eine letzte Frage zum Abschluss. Ihr rechnet in eurem Strategiepapier vor, dass die Verwaltung über fünf Jahre möglicherweise über 21 Millionen Euro jährlich sparen könnte, wenn KI Stellen ersetzt, die über natürliche Fluktuation frei werden. Wenn wir uns 2029 wiedersehen: Woran machst du dann fest, ob sich der KI-Fokus von nextMG gelohnt hat?
Susanne Schückhaus: Als ich vor sechs Jahren bei nextMG anfing, habe ich davon geträumt, dass Digitales für uns alle etwas Normales wird. Corona hat uns damals den nötigen Druck gegeben, und wir sind ein gutes Stück vorangekommen und längst nicht weit genug. Das ist auch das eigentliche Problem der KI-Welle: Wir sind mit der Digitalisierung noch gar nicht durch. Viele Unternehmen halten sich schon für digital, weil sie mailen statt faxen. Das ist kein digitaler Fortschritt, das ist nur ein Werkzeugwechsel. Und mitten in diese unfertige Transformation kommt jetzt mit KI die nächste Welle.
Ich wäre glücklich, wenn der Austausch über KI-Einsatz unter Unternehmer:innen in drei Jahren völlig selbstverständlich geworden ist. Wenn ein KI-Startup aus unserer Stadt kurz vor der Marktreife steht. Und wenn KI in den Schulen zur Normalität geworden ist – Lehrkräfte, die sie zur effizienteren Unterrichtsvorbereitung nutzen, und individualisiertes Lernen für Schülerinnen und Schüler, wenigstens an 10 unserer 34 weiterführenden Schulen. Etablierte Formate für Unternehmen mit echten Best Practices, ein KI-Startup, das etwas geschafft hat, und KI-Selbstverständlichkeit von der Schule bis zur Erwachsenenbildung – das wäre für mich das Kriterium für „es hat sich gelohnt“.
Susanne Schückhaus ist seit Juni 2026 Vorstandsvorsitzende von nextMG e.V. Sie war zuvor sechs Jahre lang stellvertretende Vorsitzende und im Ressort digitale Kompetenz aktiv.
Mehr erfahren? Alle Details zur nextMG-Strategie 2026–2029 gibt es im PDF nachzulesen – oder einfach den Newsletter abonnieren, dann verpasst ihr keine Neuigkeiten rund um KI-Bites, Meetups und die Gründungsfabrik.


