Warum Mönchengladbach mit seinen Unternehmen das Thema Gründerkultur im digitalen Zeitalter angehen muss!

Der Management-Guru Peter Drucker hat mal gesagt, dass es nur zwei Hauptaufgaben eines Unternehmens gibt: Marketing und Innovation! Nur diese beiden Tätigkeiten des Unternehmens produzieren, was entscheidend im Markt ist: Produkte, die sich differenzieren und zu Umsatz führen. Jedes Unternehmen muss im Markt mit einem Produkt bestehen, das die Kaufentscheidung rechtfertigt. Eine Unterscheidbarkeit nur über den Preis – billiger als alle anderen – ist am Ende keine nachhaltige Marktposition. Jede nachhaltige Differenzierung basiert damit auf Innovation. Die Art wie Innovationen entstehen hat sich in den vergangenen 100 Jahren aber rapide verändert. Grund dafür ist unter anderem die Digitalisierung und der technische Fortschritt.

Steve Blank, US-amerikanischer Unternehmer, Dozent und Autor argumentiert in seinem Blog, dass Innovationen in der Vergangenheit durch einzelne Erfinder vorangetrieben wurden, die auf Basis ihrer Ideen große Unternehmen gründen konnten oder Produktionsprozesse, die extrem kostenintensiv waren, revolutionierten: Beispielsweise Henry Fords Erfindung des Fließbands oder Alexander Graham Bells Entwicklung des Telefons. Danach wurde das Thema Innovation in Unternehmen institutionalisiert: Es entstanden die großen Forschungsabteilugen – in Englisch Research & Development (R&D) genannt. Große Spieler wie IBM und Bell organisierten legendäre Forschungsinstitute, die abgeschottet an der nächsten großen Revolution arbeiteten. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Entwicklung von Innovationen mehr und mehr aus den Unternehmen ausgelagert worden.

Es begann mit dem Investment von Unternehmen in den Bereich Venture Capital (Risiko-Kapital). Seit den 80er Jahren und in den 90er beteiligten sich große Unternehmen auf einmal an kleinen Unternehmen oder kauften diese gleich ganz. Warum kam es dazu?

Innovation ist entscheidend, nicht Produktion!

Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die Digitalisierung und die Globalisierung von Produktionsmöglichkeiten und die damit verbundenen Kostenreduzierungen und Demokratisierung von Produktionsprozessen. Ein Beispiel: Ein Smartphone zu bauen ist heute eine Tätigkeit, die sich standardisiert an einen Produzenten in Asien auslagern lässt – Apple baut sein iPhone bei einem Hersteller Namens FoxConn. Als Auftragshersteller produziert das Unternehmen unter anderem für Hewlett-Packard, Dell, Nintendo, Microsoft und Sony. Der Konzern produziert im Auftrag die Spielekonsolen Nintendo DS, Wii, Xbox 360 und PlayStation. Der Bauplan und die technische Spezifikation inklusive der Software ist die eigentliche Leistung, die Montage ist mittlerweile eine Dienstleistung die bei Anbieter wie Foxconn global eingekauft werden kann. Unternehmen wie Apple haben das lange erkannt.

Da der Innovationsprozess immer stärker von Produktions- und Investitionsmitteln unabhängig geworden ist, können Forscher, Erfinder und kreative Unternehmer Innovationen in die Märkte bringen, ohne das Risiko einer investitionsintensiven Produktionsinfrastruktur zu tragen – man spricht von der Demokratisierung des Innovationsprozesses.

Damit rückt die Produktion der Hardware in den Hintergrund: Innovationen Ideen werden jetzt überall auf der Welt geboren und irgendwo produziert. Die Unternehmen haben reagiert und entsprechende Andockstationen an ihre Prozesse entwickelt: Das Managementkonzept nennt sich Open Innovation. Kurz gesagt: Warum auf 3, 35 oder 350 eigene Forscher setzen, um Innovationen zu kreieren, wenn es auf der Welt x-Tausende Experten zu dem Thema gibt. Unternehmen weltweit haben diesen Trend erkannt – Corporate Inkubatoren schießen wie Pilze aus dem Boden und etablierte Unternehmen beteiligen sich an Start-ups. Auch in Mönchengladbach: Im Dezember erwarb Scheidt & Bachmann Mehrheitsanteile an dem Start-up evopark.

Wenn wir diese Entwicklung auch für lokale Unternehmen stärker nutzbar machen wollen, dann brauchen wir ein Gründerklima am Standort Mönchengladbach. Dafür setzt sich der Verein nextMG mit seinen Mitgliedern ein. Unternehmen brauchen zum Wachstum in Zukunft mehr als preiswert erschlossene Gewerbegebiete, das ist Hardware, notwendig, aber nicht ausreichend. Gerade mittelständische Unternehmen am Standort brauchen eine Infrastruktur, um am Trend der Open Innovation zu partizipieren. Nicht jedes mittelständische Unternehmen kann in diesen Bereich investieren, daher ist die gemeinsame Entwicklung von Gründerzentren und Start-up Kultur jetzt notwendig.

 

Stahlhändler trifft Digitalisierung: Klöckner ein Unternehmen im Wandel

Als Gisbert Rühl 2009 seinen Job als CEO beim traditionsreichen Stahlhändler  Klöckner und Co. in Duisburg antrat, haben ihn sicherlich nicht viele um diese Aufgabe beneidet. Die weltweite Stahlnachfrage brach in Folge der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise in einem niemals zuvor gekannten Maß ein – die Branche erholt sich bis heute auf Grund der vorhandenen Überkapazitäten nur langsam. Gleichzeitig bedrohte die zunehmende Digitalisierung im Geschäftskundensegment das gesamte Geschäftsmodell Klöckners, dass auf dem Kauf großer Mengen von Stahlprodukten bei den Produzenten und dem Weiterverkauf an den Endverbraucher wie Bauunternehmen beruhte.

Nach den ersten Aufräumarbeiten und im Bewusstsein, ein „Weiterso“ wird nicht funktionieren, hat sich Gisbert Rühl in die Keimzelle des digitalen Wandels, das Silicon Valley, begeben und ähnlich wie andere deutsche Wirtschaftsbosse vor Ort den neuen disruptiven Gründergeist eingeatmet.

Was er von dort an Erkenntnissen mitbrachte, wie er seine eigene Startup-Einheit schuf, warum diese in Berlin sitzt, wie aktuell die Einkaufsprozesse der Kunden digitalisiert wurden und warum die Digitaltochter Klöckner.i zukünftig eine komplette digitale Industrieplattform betreiben wird, berichtete Klöckner-Pressesprecher Christian Pokropp – in krankheitsbedingter Vertretung seines Chefs – in einem mitreißenden Vortrag im Rahmen einer Veranstaltung des BVMW und der WFMG im TIG.

Für alle Anwesenden gab es folgende Haupterkenntnisse:

  1. Open Innovation ist eine Grundvoraussetzung zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen. Nur eine Öffnung des Unternehmens für neue Ideen und Prozesse sichert die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Sei es wie im Fall von Klöckner und Co. durch den Aufbau einer eigenen Digitaleinheit oder die Beteiligung an innovativen Startups.
  2. Das Beispiel Klöckner hat gezeigt, dass nachhaltiger und womöglich disruptiver Wandel nur schwer in den vorhandenen Strukturen gelingt. Es muss sicher nicht das DigitalOffice in Berlin sein, aber große Veränderungen brauchen auch große Freiheit und Gestaltungsspielraum. Dabei darf aber zugleich die Einbindung der „Old Economy“ nicht vergessen werden (bei Klöckner u.a. durch Pflichtstation im Traineeprogramm und interne Social Media Plattform.)
  3. Das „Digitale Personal“ ist schon heute DER Engpassfaktor. Selbst wenn der Veränderungswille bereits vorhanden ist, kann der Mangel an geeignetem Personal die eigene Digitalstrategie durchkreuzen. Eine frühzeitige Sicherung und Entwicklung von Talenten ist daher unabdingbar im Wettbewerb um Fachkräfte. Klöckner ist daher einer der Hauptsponsor der ReDi-School, die IT-Kräfte ausbildet. In Mönchengladbach arbeitet bspw. das zdi-Zentrum MG und auch nextMG am weiteren Ausbau des Aus- und Weiterbildungsangebots.