Der Strukturwandel der Digitalisierung frisst unsere Innenstädte auf

Es wird Zeit das Thema City in der Wirtschaft 4.0 neu zu denken

Es ist ein Schock für Rheydt. Aber der Schock war absehbar: Der Karstadt am Markt wird wohl schließen und dem real-Supermarkt an der Moses-Stern-Straße steht dasselbe Schicksal bevor.

Leerstand breitet sich aus

Aus vielen Schaufenstern in den Innenstädten von Rheydt und Mönchengladbach schreit einen schon seit Jahren der Leerstand an. Wo es Belegung gibt, ist diese immer öfter im eher preiswerten Segment angesiedelt.

Aber das ist nicht nur in Mönchengladbach und Rheydt so, daher war der Schock absehbar: In Deutschland zeigt sich, was über den Einzelhandel in den USA schon wie ein Tsunami hereinbricht: eCommerce und digitale Plattformen locken immer mehr Käuferinnen und Käufer ins Internet. Vor allem jüngere Zielgruppen nutzen diese Form des Einkaufens – sie werden dieses gelernte Verhalten nicht mehr fundamental ändern. In Mönchengladbach und Rheydt zeigen jetzt alle mit dem Finger auf alle anderen, um einen Schuldigen ausfindig zu machen: Politik, Verwaltung, Betreiber, Immobilienbesitzer, Kunden – alle sagen, der andere sei schuld. Das stimmt so nicht. Es ist der Strukturwandel der Digitalisierung der unsere Innenstädte auffrisst.

Strukturwandel im Handel

Es vollzieht sich seit Jahren ein Strukturwandel im Handel, der durch die Corona-Krise nur noch beschleunigt wurde, aber er war vorher schon da und er hat mit der Digitalisierung der Wirtschaft mehr zu tun als mit den Entscheidungen der Politik und der Verwaltung: Experten nennen moderne Konsumenten Hybridkonsumenten, das heißt sie kaufen Online und im stationären Handel ein. Fast jede und jeder von uns kauft auch Online ein: einige von uns tätigen nur 10 Prozent, andere 20 Prozent ihrer Einkäufe online, aber diese Prozente fehlen am Ende, um die Innenstädte von Rheydt und Mönchengladbach dauerhaft zu 100 Prozent mit qualitativ hochwertigem Einzelhandel zu füllen. Die Entwicklung ist eindeutig erdrückend: Der Umsatz im Online-Handel ist in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland laut des Handelsverbands Deutschland (HDE) von 15,6 Milliarden Euro auf 57,8 Milliarden Euro gestiegen, der Anteil des Online-Handels am Gesamthandel ist von 3,7 Prozent in 2009 auf 10,9 Prozent in 2019 gestiegen (HDE Online-Monitor 2020).

Zeit umzudenken

Es mag für einige in der Stadt eine unbequeme Wahrheit sein, aber die Götterdämmerung des Einzelhandels ist in vollem Gange – wir müssen der Realität ins Auge blicken, Mönchengladbach und Rheydt werden in Deutschland kein gallisches Dorf des blühenden Einzelhandels alter Schule sein. Der Wandel der Zeit erfordert ein Umdenken und es müssen alle umdenken: Politik, Verwaltung, Betreiber, Immobilienbesitzer und Kunden.

Liebe Immobilienbesitzer, Mietpreise für Einzelhandelsflächen von 20 Euro den Quadratmeter aufwärts sind Vergangenheit.
Liebe Betreiber, Konzepte „alles für alle“ sind passé, Qualität und regionale besondere Produkte, lokal produziert werden überleben.
Liebe Politik und Verwaltung, die Entwicklung von Innenstädten muss neu gedacht werden – die Droge Einzelhandel ist aufgebraucht, noch mehr neue Flächen in Neubauprojekten werden das Problem eher verschärfen als lösen.
Liebe Kunden, ihr wollt Belebung in euren Innenstädten? Euer Kaufverhalten ist der größte Hebel in dieser Entwicklung.

Mut zum Wandel

Wir brauchen für die Innenstädte von Mönchengladbach und Rheydt neue Konzepte: Gerrit Heinemann, Professor für Handel an der Hochschule Niederrhein, bringt es mit seinem Zitat auf SPIEGEL ONLINE auf den Punkt: „(…) abreißen, zurückbauen, Fußgängerzonen verkleinern und dann die Baunutzungsverordnungen so ändern, dass Wohnen in der Innenstadt wieder möglich werde. „Es macht ja keinen Sinn, Leerstand in der Innenstadt zu haben, aber Wohnraum dringend zu brauchen“, sagt Heinemann. „Lieber eine schöne Schlafstadt, als eine hässliche Einkaufsstadt.“ Das braucht Mut zum Wandel auf allen Seiten.

Wir müssen in der sich digitalisierenden Wirtschaft Innenstadt neu denken.

Wenn wir von Verödung sprechen, dann meinen wir damit, dass es keinen Einzelhandel und Konsumangebote gibt. Da machen wir schon den ersten Fehler. Wer sagt, dass eine Innenstadt immer mit Konsumbetrieb gleich zu setzen ist? Warum soll es in der Innenstadt nicht mehr Fläche für Arbeit, Kunst und Kultur geben? Warum sollen sich in ehemaligen Ladenlokalen nicht kleine Agenturen ansiedeln oder Bürogemeinschaften, die Menschen zum Arbeiten in die Stadt holen? Warum denken wir nicht über Event- und Veranstaltungsflächen für Ausstellungen und Events oder anderes in der Innenstadt nach? Heißt Ödnis nur Abwesenheit von Konsumangeboten? Aber auch der Handel muss sich wandeln, wenn er eine Zukunft haben will.

Wir brauchen in Mönchengladbach eine Diskussion, wo wir hinwollen – und die Einsicht, dass das Ideal „solvente Mieter aus dem Einzelhandel“ am Markt nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar ist. Die Wirtschaft 4.0 hat einen Strukturwandel in Gang gesetzt, der auch unsere Innenstädte verändern wird. Wir sollten in Mönchengladbach Vorreiter dieser Entwicklung werden, daher brauchen wir ein Umbauprogramm, das Anreize für Immobilien-Besitzer schafft, Einzelhandelsflächen in eine neue Nutzung zu überführen – und sich damit von den hohen Renditen zu verabschieden. Ein weiterer Ausbau von Flächen für den Einzelhandel oder Nahversorgung ist ein Irrweg.

FKK COVID – Rettet den lokalen Einzelhandel in Mönchengladbach

Das SARS CoV-2, besser bekannt als „Coronavirus“, ist in aller Munde und bestimmt unseren Alltag. Besonders hart trifft es lokale Händler, deren Existenzen durch die Epidemie gefährdet sind. Hier möchten Marc König mit der Aktion „support your local heros“ entgegenwirken. Mit dem Kauf eines T-Shirt unterstützt der Käufer den lokalen Einzelhandel in Mönchengladbach und Umgebung und steigert somit die Überlebensfähigkeit der Händler in der Nachbarschaft.

Wir als nextMG fördern Gründerkultur, Gründerinnen und Gründer gehen Risiken ein. Aber nicht nur sie, jede und jeder der ein Geschäft betreibt und keiner von den großen Ketten ist, hat in diesen Tagen besonders zu leiden! Gründerinnen oder Gründer, alteingesessener Einzelhandel oder hippes Trendgeschäft – uns egal, nextMG will, dass es euch nach Corona noch gibt! Darum unterstützen wir diese Aktion: Helft uns dabei, unsere Local Heroes zu retten.

Michael Bahrke, nextMG Vorstand Gründung, hat mit Marc König über die Initiative gesprochen.

Michael: Support your local heroes, erzähl mal, wie kam es zu der Aktion?

Marc: Ein wenig Langweile, spät in der Nacht noch vor dem Computer gesessen und youtube geguckt, da habe ich gedacht, das kann nicht alles sein in der Zeit, in der ich im Home Office bin. Dann habe ich ein bisschen durch die hippe Presse geklickt und habe gesehen, dass es in Berlin hippe Projekte gibt, die Verkaufen T-Shirts gegen Geld, da dachte ich mir, sowas könnte es sein und habe nach Domains geguckt. Dann war noch Fuck Covid frei, extrem plakativ, aber für mich war das erstmal ok, und ich habe mir die Domain gesichert. Dann habe ich gedacht: ok, Domain hast du und jetzt? T-Shirts produzieren ist cool, aber Geld damit verdienen, in der der Zeit jetzt, da hat eh keiner Bock drauf, also habe ich gesagt: komm wir müssen was für die Lokalen hier machen und so ist das Projekt zusammen mit ein paar Freunden entstanden.

Michael: Kaum war die Seite im Netz am Donnerstag (19.03.2020) im Netz, war die Aktion schon im Radio – wie ist die Resonanz?

Marc: Die Seite ging Donnerstagnacht ans Netz, das Radio ist dann durch private Kontakte auf uns aufmerksam geworden, aber Stand heute (Samstag, 21.03.2020) haben wir mehr als 100 verkaufte T-Shirts. Die lokalen Geschäfte und Anbieter waren begeistern und haben uns enormes Feedback gegeben. Da wollten uns schon ein paar Geschäfte was schenken; aber wir wollen ja nichts von denen, sondern den „Locals“ was schenken. Es ist ein tolles Gefühl und macht Spaß eine Community zu schaffen, die es vorher vielleicht in der Form noch nicht gab.

Michael: Tolle Aktion; danke Marc!

Macht mit! Unterstützt eure local heros. Hier ist der Link zu den  Produkten https://www.supportlocalheroes.de/collections/all

Die T-Shirts kosten 20 Euro.  10 Euro gehen in die Kosten der Produktion, 10 Euro gehen in den Topf für die Unterstützung der lokalen Geschäfte und Produzenten.