Der Strukturwandel der Digitalisierung frisst unsere Innenstädte auf

Es wird Zeit das Thema City in der Wirtschaft 4.0 neu zu denken

Es ist ein Schock für Rheydt. Aber der Schock war absehbar: Der Karstadt am Markt wird wohl schließen und dem real-Supermarkt an der Moses-Stern-Straße steht dasselbe Schicksal bevor.

Leerstand breitet sich aus

Aus vielen Schaufenstern in den Innenstädten von Rheydt und Mönchengladbach schreit einen schon seit Jahren der Leerstand an. Wo es Belegung gibt, ist diese immer öfter im eher preiswerten Segment angesiedelt.

Aber das ist nicht nur in Mönchengladbach und Rheydt so, daher war der Schock absehbar: In Deutschland zeigt sich, was über den Einzelhandel in den USA schon wie ein Tsunami hereinbricht: eCommerce und digitale Plattformen locken immer mehr Käuferinnen und Käufer ins Internet. Vor allem jüngere Zielgruppen nutzen diese Form des Einkaufens – sie werden dieses gelernte Verhalten nicht mehr fundamental ändern. In Mönchengladbach und Rheydt zeigen jetzt alle mit dem Finger auf alle anderen, um einen Schuldigen ausfindig zu machen: Politik, Verwaltung, Betreiber, Immobilienbesitzer, Kunden – alle sagen, der andere sei schuld. Das stimmt so nicht. Es ist der Strukturwandel der Digitalisierung der unsere Innenstädte auffrisst.

Strukturwandel im Handel

Es vollzieht sich seit Jahren ein Strukturwandel im Handel, der durch die Corona-Krise nur noch beschleunigt wurde, aber er war vorher schon da und er hat mit der Digitalisierung der Wirtschaft mehr zu tun als mit den Entscheidungen der Politik und der Verwaltung: Experten nennen moderne Konsumenten Hybridkonsumenten, das heißt sie kaufen Online und im stationären Handel ein. Fast jede und jeder von uns kauft auch Online ein: einige von uns tätigen nur 10 Prozent, andere 20 Prozent ihrer Einkäufe online, aber diese Prozente fehlen am Ende, um die Innenstädte von Rheydt und Mönchengladbach dauerhaft zu 100 Prozent mit qualitativ hochwertigem Einzelhandel zu füllen. Die Entwicklung ist eindeutig erdrückend: Der Umsatz im Online-Handel ist in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland laut des Handelsverbands Deutschland (HDE) von 15,6 Milliarden Euro auf 57,8 Milliarden Euro gestiegen, der Anteil des Online-Handels am Gesamthandel ist von 3,7 Prozent in 2009 auf 10,9 Prozent in 2019 gestiegen (HDE Online-Monitor 2020).

Zeit umzudenken

Es mag für einige in der Stadt eine unbequeme Wahrheit sein, aber die Götterdämmerung des Einzelhandels ist in vollem Gange – wir müssen der Realität ins Auge blicken, Mönchengladbach und Rheydt werden in Deutschland kein gallisches Dorf des blühenden Einzelhandels alter Schule sein. Der Wandel der Zeit erfordert ein Umdenken und es müssen alle umdenken: Politik, Verwaltung, Betreiber, Immobilienbesitzer und Kunden.

Liebe Immobilienbesitzer, Mietpreise für Einzelhandelsflächen von 20 Euro den Quadratmeter aufwärts sind Vergangenheit.
Liebe Betreiber, Konzepte „alles für alle“ sind passé, Qualität und regionale besondere Produkte, lokal produziert werden überleben.
Liebe Politik und Verwaltung, die Entwicklung von Innenstädten muss neu gedacht werden – die Droge Einzelhandel ist aufgebraucht, noch mehr neue Flächen in Neubauprojekten werden das Problem eher verschärfen als lösen.
Liebe Kunden, ihr wollt Belebung in euren Innenstädten? Euer Kaufverhalten ist der größte Hebel in dieser Entwicklung.

Mut zum Wandel

Wir brauchen für die Innenstädte von Mönchengladbach und Rheydt neue Konzepte: Gerrit Heinemann, Professor für Handel an der Hochschule Niederrhein, bringt es mit seinem Zitat auf SPIEGEL ONLINE auf den Punkt: „(…) abreißen, zurückbauen, Fußgängerzonen verkleinern und dann die Baunutzungsverordnungen so ändern, dass Wohnen in der Innenstadt wieder möglich werde. „Es macht ja keinen Sinn, Leerstand in der Innenstadt zu haben, aber Wohnraum dringend zu brauchen“, sagt Heinemann. „Lieber eine schöne Schlafstadt, als eine hässliche Einkaufsstadt.“ Das braucht Mut zum Wandel auf allen Seiten.

Wir müssen in der sich digitalisierenden Wirtschaft Innenstadt neu denken.

Wenn wir von Verödung sprechen, dann meinen wir damit, dass es keinen Einzelhandel und Konsumangebote gibt. Da machen wir schon den ersten Fehler. Wer sagt, dass eine Innenstadt immer mit Konsumbetrieb gleich zu setzen ist? Warum soll es in der Innenstadt nicht mehr Fläche für Arbeit, Kunst und Kultur geben? Warum sollen sich in ehemaligen Ladenlokalen nicht kleine Agenturen ansiedeln oder Bürogemeinschaften, die Menschen zum Arbeiten in die Stadt holen? Warum denken wir nicht über Event- und Veranstaltungsflächen für Ausstellungen und Events oder anderes in der Innenstadt nach? Heißt Ödnis nur Abwesenheit von Konsumangeboten? Aber auch der Handel muss sich wandeln, wenn er eine Zukunft haben will.

Wir brauchen in Mönchengladbach eine Diskussion, wo wir hinwollen – und die Einsicht, dass das Ideal „solvente Mieter aus dem Einzelhandel“ am Markt nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar ist. Die Wirtschaft 4.0 hat einen Strukturwandel in Gang gesetzt, der auch unsere Innenstädte verändern wird. Wir sollten in Mönchengladbach Vorreiter dieser Entwicklung werden, daher brauchen wir ein Umbauprogramm, das Anreize für Immobilien-Besitzer schafft, Einzelhandelsflächen in eine neue Nutzung zu überführen – und sich damit von den hohen Renditen zu verabschieden. Ein weiterer Ausbau von Flächen für den Einzelhandel oder Nahversorgung ist ein Irrweg.

FKK COVID – Rettet den lokalen Einzelhandel in Mönchengladbach

Das SARS CoV-2, besser bekannt als „Coronavirus“, ist in aller Munde und bestimmt unseren Alltag. Besonders hart trifft es lokale Händler, deren Existenzen durch die Epidemie gefährdet sind. Hier möchten Marc König mit der Aktion „support your local heros“ entgegenwirken. Mit dem Kauf eines T-Shirt unterstützt der Käufer den lokalen Einzelhandel in Mönchengladbach und Umgebung und steigert somit die Überlebensfähigkeit der Händler in der Nachbarschaft.

Wir als nextMG fördern Gründerkultur, Gründerinnen und Gründer gehen Risiken ein. Aber nicht nur sie, jede und jeder der ein Geschäft betreibt und keiner von den großen Ketten ist, hat in diesen Tagen besonders zu leiden! Gründerinnen oder Gründer, alteingesessener Einzelhandel oder hippes Trendgeschäft – uns egal, nextMG will, dass es euch nach Corona noch gibt! Darum unterstützen wir diese Aktion: Helft uns dabei, unsere Local Heroes zu retten.

Michael Bahrke, nextMG Vorstand Gründung, hat mit Marc König über die Initiative gesprochen.

Michael: Support your local heroes, erzähl mal, wie kam es zu der Aktion?

Marc: Ein wenig Langweile, spät in der Nacht noch vor dem Computer gesessen und youtube geguckt, da habe ich gedacht, das kann nicht alles sein in der Zeit, in der ich im Home Office bin. Dann habe ich ein bisschen durch die hippe Presse geklickt und habe gesehen, dass es in Berlin hippe Projekte gibt, die Verkaufen T-Shirts gegen Geld, da dachte ich mir, sowas könnte es sein und habe nach Domains geguckt. Dann war noch Fuck Covid frei, extrem plakativ, aber für mich war das erstmal ok, und ich habe mir die Domain gesichert. Dann habe ich gedacht: ok, Domain hast du und jetzt? T-Shirts produzieren ist cool, aber Geld damit verdienen, in der der Zeit jetzt, da hat eh keiner Bock drauf, also habe ich gesagt: komm wir müssen was für die Lokalen hier machen und so ist das Projekt zusammen mit ein paar Freunden entstanden.

Michael: Kaum war die Seite im Netz am Donnerstag (19.03.2020) im Netz, war die Aktion schon im Radio – wie ist die Resonanz?

Marc: Die Seite ging Donnerstagnacht ans Netz, das Radio ist dann durch private Kontakte auf uns aufmerksam geworden, aber Stand heute (Samstag, 21.03.2020) haben wir mehr als 100 verkaufte T-Shirts. Die lokalen Geschäfte und Anbieter waren begeistern und haben uns enormes Feedback gegeben. Da wollten uns schon ein paar Geschäfte was schenken; aber wir wollen ja nichts von denen, sondern den „Locals“ was schenken. Es ist ein tolles Gefühl und macht Spaß eine Community zu schaffen, die es vorher vielleicht in der Form noch nicht gab.

Michael: Tolle Aktion; danke Marc!

Macht mit! Unterstützt eure local heros. Hier ist der Link zu den  Produkten https://www.supportlocalheroes.de/collections/all

Die T-Shirts kosten 20 Euro.  10 Euro gehen in die Kosten der Produktion, 10 Euro gehen in den Topf für die Unterstützung der lokalen Geschäfte und Produzenten.

PM: Habt Mut!

Mönchengladbach, 19. März 2020

Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Anweisung der Landesregierung, die Schulen dicht zu machen und den Unterricht dennoch fortzuführen, hat viele Schulen vor enorme Herausforderungen gestellt. Die in Mönchengladbacher Schulen vielfach angewandte Lösung, den zu erlernenden Stoff mit Angaben zu den Büchern und runterzuladenden Arbeitsblättern auf Schulwebseiten zu veröffentlichen, ist indes wenig erfinderisch und leider noch weniger zielführend. Welcher Jugendliche kann sich angesichts von Sonnenschein und steigenden Temperaturen schon zum Lernen motivieren? Seien wir ehrlich: Welcher Erwachsene kann es?

Gleichzeitig offenbart dieser Ansatz zwei eklatante Versäumnisse der Vergangenheit: Zum einen haben wir nicht sichergestellt, dass die Jugendlichen rein technisch in der Lage sind, den Lernstoff auf diese Weise abzurufen und zu bearbeiten. Hat jeder Schüler einen Drucker zuhause? Kann er überhaupt die Daten herunterladen? Ruft er seine Mails ab? Zum anderen dürfte das Gros der Eltern nicht darauf vorbereitet sein, ihren Kindern die dafür nötige Hilfestellung zu geben. Weder technisch noch didaktisch.

Das Meistern der Corona-bedingten Lernkrise hängt somit wieder vom Engagement einzelner Schulen und vor allem Lehrer ab. Erfolgversprechend sind wieder Modelle, die sich die Digitalisierung zu Nutze gemacht haben. Das zeigen Schulen wie die Privatschule HEBO, das Gymnasium am Geroweiher, die Gesamtschule Hardt oder auch das Gymnasium Odenkirchen. Sie waren schon vor der heutigen Situation den Umgang mit neuen Medien und Kommunikationskanälen gewohnt. In regelrechtem New Work Style motivieren sie jetzt mit Video-Chats, Skypen oder Software wie Discord ihre Schülerinnen und Schüler zum selbständigen Lernen des anstehenden Stoffes. „Ich hatte noch nie eine so hohe Anwesenheitsquote wie jetzt“, berichtet Felix Nattermann, Leiter der größten IT-AG der Stadt und schlicht auch Lehrer des Gymnasiums am Geroweiher, von seinem letzten Chat-Unterricht. „Meine Schüler sind den Umgang mit diesen Medien schlicht gewohnt und können ihn leicht für andere Fächer nutzen.“ Denn war ihn besonders freute, war, dass er nun auch viele Kollegen für diese neue Art des Unterrichtens begeistern konnte. „Wir schreiben alle Erfahrungsberichte, die wir gerne auch anderen Lehrern zur Verfügung stellen werden.“ Schließlich müsse Lernen auch für Lehrer eine Selbstverständlichkeit sein.

Learning by doing

Das Modell von jetzt auf gleich auf andere Schulen zu übertragen, ist indes Illusion. Selbst der neu gewählte Vorstand von nextMG brauchte Übung, um in neuer Besetzung innovative digitale Kommunikations- und Arbeitstools zu nutzen. Was aber alle Vorstandsmitglieder hatten und haben, ist das Fehlen jeglicher Angst vor Fehlern in der Welt des Digitalen. Dafür ist ihnen qua Funktion Lust und Mut zu eigen, Neues auszuprobieren. Eine Einstellung, die nextMG gerne auf die Bildungswelt übertragen würde und dafür laufend Empfehlungen für E-Learning-Tools an kooperierende und anfragende Schulen weitergibt. Nicht, um diese jetzt sofort alleinig zur Lösung der Not einzusetzen. Aber um die Not zu nutzen, zu experimentieren, Neues kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.

Es bleibt jedoch die Notwendigkeit der Diskussion, wie Schülerinnen und Schüler für Unterricht im Jahr 2020 ff. ausgestattet sein sollten. War es vor wenigen Jahren der grafikfähige Taschenrechner, der ob der hohen Anschaffungskosten von den Schulgemeinschaften zu stemmen war, muss es jetzt die Frage sein, ob nicht jeder Jugendliche ab der 5. Klasse einen Laptop und auch eine eigene von der Schule bereitgestellte Mailadresse mit entsprechendem Zugang haben muss. Bei einem verfügbaren Einkommen, das in Mönchengladbach mit rund 20.700 € pro Jahr an Platz 6 hinter Krefeld und nur noch knapp vor Essen und Duisburg rangiert, kann man sich den Aufschrei der Elternschaft nicht nur vorstellen, sondern durchaus nachvollziehen. Denn auch eine Vielzahl an Eltern und Pädagogen muss noch weitergebildet und begeistert werden für den Umgang mit der wachsenden Digitalisierung. Doch niemand weiß, wie hoch der Unterstützungsbedarf wirklich wäre. Lasst ihn uns doch herausfinden! Die Notwendigkeit war noch nie so offensichtlich wie jetzt. Dementsprechend hatte auch Mönchengladbach noch nie so gute Argumente für finanzielle Unterstützung wie jetzt.

Wenn die Lernkrise am Ende etwas Gutes gehabt haben soll, sollten wir alle jetzt Neues wagen. Unter Druck ist der Mensch zu so manchem fähig, vielleicht sogar zur Einführung stadtweit einheitlicher, funktionstiefer und motivierender Lernplattformen für innovatives Lehren und Lernen. „Trial & Error“ war schon zu Platos Zeiten das Grundprinzip des Unterrichtens. Solange man aus Fehlern lernt.

Für Rückfragen:

Ute Schmeiser
Vorstand Kommunikation
Telefon: 0175 502 2017
Mail: ute.schmeiser@nextmg.org

Mitglieder im Gespräch: Michael Bahrke (Die Eisdealer)

Die Eisdealer – die beliebteste Eismanufaktur der Stadt
Susan und Michael Bahrke haben eigentlich andere Jobs, aber in ihrer Freizeit sind sie „DIE EISDEALER“. Neben ihren Vollzeitjobs haben sie aus ihrer Leidenschaft für Eis und gutes Essen ein kleines Unternehmen gegründet, das besonderes Eis herstellt. Mal vegan, mal ungewöhnlich wie Sesam-Karamell, Milchreis – auch El Presidente genannt – oder Spekulatiuseis für den weihnachtlichen Nachtisch. Dazu gibt es selbstgebackene Waffelhörnchen, auch mal in schwarz mit Bio-Kokosnuss-Kohle gefärbt. Mit diesem Konzept wurden sie nach einem Jahr bereits die beliebteste Eisdiele der Stadt. Sie sind seit 2018 Mitglied bei nextMG.

nextMG: Wie ist eure Idee entstanden? Was treibt zwei Menschen, die Vollzeit arbeiten, dazu eine Eis-Manufaktur zu gründen?

Susan: Der Wunsch nach mehr Freizeit war es sicherlich nicht…

Michael: Aber mal im Ernst, die Eisdealer sind das komplette Gegenmodell zu unseren eigentlichen Jobs. Während ich im Büro Exceltabellen quäle und Powerpointfolien erstelle, kann ich im Eislabor meiner Leidenschaft frönen und unsere eigenen Eissorten kreieren. Ein Kindheitstraum!
Fast noch wichtiger ist für mich aber das unmittelbare Kundenfeedback. Einem Gast der Eisdealer einen Probierlöffel mit einer neuen Kreation zu reichen und dann seine Reaktion im Gesicht abzulesen, ist einfach unbezahlbar. Zum Glück sind diese Reaktionen meist sehr positiv und dass bei über 100 verschiedenen Sorten, die wir in den ersten beiden Jahren getestet haben.

nextMG: Was sind eure Erfolgsfaktoren gewesen – ihr wart im vergangenen Jahr in aller Munde?

Michael: Unser Erfolg beruht sicherlich auf unserer Leidenschaft für das was wir machen. Natürlich muss so ein Projekt auch betriebswirtschaftlich funktionieren, aber es steht nicht im Mittelpunkt. Das erlaubt es uns bei der Qualität keine Kompromisse eingehen zu müssen.
In unser Vanilleeis kommt eine mexikanische Gourmetvanille und sonst nix. Kein künstlich hergestelltes Aroma wie Vanillin, keine Farbstoffe und keine Konservierungsstoffe. Wir verwenden Milch die direkt vom Bauernhof kommt, nicht ultrahocherhitzt, nicht homogenisiert – ein echtes Naturprodukt. Dadurch sind unsere Rohstoffkosten erheblich teurer als bei anderen Eisdielen, aber das ist es uns wert, da man den Unterschied schmeckt.

Susan: Mit unserer Präsens beim Greta- und Claus-Markt, in der Kulturküche beim „eat & chill“, auf Kultur- und Musikfestivals arbeiten wir mit sehr vielen Menschen zusammen, die eine ähnliche Leidenschaft wie wir haben. Es ist toll ein Teil davon zu sein.

nextMG: Was hat euch das Gründen gebracht – welche Erfahrungen habt ihr gemacht, wie hat es euch verändert, vielleicht auch mit Blick auf eure „anderen Jobs“?

Michael: Die Selbstständigkeit bringt sehr viel Eigenverantwortung und Entscheidungen mit sich. Es gilt Ideen umzusetzen, mit Partnern zu kooperieren, sich und andere zu motivieren, aus Fehlern zu lernen und so ein Projekt mit innovativen Ideen immer weiter voranzubringen. In welchem Job kann man solche Erfahrungen nicht brauchen?

nextMG: Was würdet ihr jungen Gründern raten?

Susan: Glaubt an euch, glaubt an eure Idee, traut euch und setzt sie mit Leidenschaft um.

Michael: Testet eure Idee im Vorfeld der Gründung ausgiebig. Fragt Leute mit Erfahrung, die im Idealfall nicht aus eurem direkten Umfeld kommen. Stellt eure Idee zum Beispiel beim „meetupMG“ vor, diese Erfahrung und das Feedback bringen euch garantiert weiter.

nextMG: Gründen in Mönchengladbach, weil …

Susan & Michael: …die Stadt ist so herrlich unperfekt und gestaltbar! Daraus ergeben sich einfach viele Möglichkeiten und Projekte die man umsetzen kann. Und man ist nie allein. In Mönchengladbach finden sich sehr schnell Mitstreiter, wenn es darum geht Dinge auszuprobieren und die Stadt so ein Stückchen lebenswerter zu machen.

Mitglieder im Gespräch: Stefano Picco (spicOne)

Kommunikation gestalten – digital und analog

Stefano Picco ist der Kopf hinter der spicOne multimedia e.K. – er hat die Agentur für Kommunikations-Design 1999 gegründet. Stefano war auch Mitgründer der Bürogemeinschaft Sektor M an der Sophienstraße in der Alten Spinnerei, die 2007 gegründet wurde – einer der ersten Co-Working-Angebote in Mönchengladbach. Er ist Gründungsmitglied von nextMG.

nextMG: Stefano, was macht eine Agentur für Kommunikations-Design?

Stefano: Die Kernaufgabe ist es, die Sichtbarkeit von Unternehmen wortwörtlich greifbar zu machen oder diese zu optimieren. Das beste Produkt oder die genialste Dienstleistung kann nicht gefunden werden, wenn sie kein Erscheinungsbild hat – Stichwort Corporate-Design. Neben der Entwicklung oder auch Überarbeitung einer Wort-Bild-Marke, gilt es natürlich auch alle weiteren Elemente des Corporate-Designs, wie die Typografie und die Farben konzeptionell zu entwickeln und festzulegen. Websites, Apps, weitere Drucksachen, Branding, Merchandising etc. pp oder auch der Auftritt in sozialen Netzwerken gehören genauso dazu.

nextMG: Warum hast du gegründet – warum kein komfortabler Job in einer großen Agentur?

Stefano: Kreative Freiheit – ich habe in der Vergangenheit bereits in diversen Agenturen gearbeitet, sei es als Praktikant bis hin zum Leiter der Design-Abteilung mit Mitarbeitern. Dabei wurde schnell klar, dass es ab und an größeren Diskussionsbedarf gab, der nicht immer zielführend war und meiner persönlichen Vorstellung von guter Gestaltung entsprach. Und dann muss man sich entscheiden, auf vermeintliche Sicherheit setzen und unzufrieden werden oder das Wagnis der Selbstständigkeit starten.

nextMG: Du bist Teil vom Sektor M an der Sophienstraße – eine kreative Bürogemeinschaft – was sind die Vorteile einer solchen Gemeinschaft?

Stefano: Auch hier steht die Kreativität im Mittelpunkt, denn der kreative Austausch mit anderen Personen und anderen Branchen gibt einem einen großen Mehrwert und eröffnet neue Perspektiven. So entstehen Ideen und vor allem Lösungsansätze, auf die man alleine höchstwahrscheinlich nicht gekommen wäre. Kommunikation leben ist hier ein wichtiger Punkt. Aber es gibt natürlich auch ganz pragmatische Dinge, die speziell anfangs helfen. Eine gemeinsame Infrastruktur erleichtert und unterstützt die berufliche Entwicklung – in jeglicher Hinsicht. Ebenfalls ist der Aufbau des eigenen Netzwerks und letztendlich auch von Klienten, mit entsprechenden Synergieeffekten ein großer Benefit.

nextMG: Wenn du zurückblickst: was würdest du heute anderes machen und was würdest du jungen Gründern in deinem Feld raten?

Stefano: Das ist ganz schnell auf den Punkt gebracht. Speziell Kreative sollten sich frühzeitig und intensiv mit kaufmännischen Fragen beschäftigen oder sich direkt einen entsprechenden Partner ins Boot holen. Vieles muss bedacht und sorgfältig geplant werden. Denn am Ende steht und fällt viel mit den Finanzen – ob man das will oder nicht.

nextMG: Digitalisierung ist, …

Stefano: … eine großartige Erleichterung in vielen Bereichen und Steigerung der Effizienz. Es ist natürlich in Teilbereichen auch eine große Herausforderung – selbst im kreativen Bereich – aber wenn man es anpackt und sich dafür Zeit nimmt, profitiert man relativ schnell davon. Mehr Zeit und Energie für Konzeption, Gestaltung und neue Ideen.

PM: Duo Sebastian Leppert und Susanne Feldges leitet ab sofort den Digital- und Gründerverein nextMG

Vorstandsneuwahlen und Bilanz der ersten drei Jahre

Mönchengladbach, 10. Februar 2020

Ende 2016 war die Mönchengladbacher Digitalisierungs- und Gründerinitiative nextMG e.V. aus der Taufe gehoben worden, nun standen die ersten turnusmäßigen Vorstandsneuwahlen mit einer Reihe von Neubesetzungen an. Sebastian Leppert (elements of art) rückt vom Stellvertreterposten auf den des Vorsitzenden, Susanne Feldges (Alldesign) komplettiert das Führungsduo. Künftig wird des Weiteren jedem Arbeitsbereich ein inhaltlich verantwortliches Vorstandsmitglied zugeordnet. Außerdem strebt der Verein künftig die Gemeinnützigkeit an. Der ausscheidende Vorsitzende Mark Nierwetberg zog eine positive Bilanz der ersten drei Jahre Vereinsarbeit.

Neben Nierwetberg, der aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand ausscheidet, diesem aber in beratender Funktion im erweiterten Vorstand erhalten bleibt, stellte sich auch Prof. René Treibert von der Hochschule Niederrhein nicht zur Wiederwahl. Erneut in das Gremium berufen wurde hingegen Rafael Lendzion (WFMG) als Kassenwart. Zusätzlich neu berufen wurden bei der Mitgliederversammlung im Studio der Stadtsparkasse am Bismarckplatz des Weiteren: Michael Bahrke (Die Eisdealer) für den Bereich Gründung; Thorsten Unger (Wegesrand GmbH & Co. KG) für den Bereich Digitale Transformation; Heike Grünert (ITZ Rhein-Maas) für den Bereich IT-Bildung; sowie Ute Schmeiser (Schmeiser Marketing) für Kommunikation. Über eine Beisitzer-Struktur – die jeweiligen Akteure sollen durch den neuen Vorstand berufen werden – soll die Expertise insbesondere von Institutionen wie Industrie- und Handelskammer sowie Hochschule Niederrhein mit in die Vorstandarbeit einbezogen werden. Die Prüfung der Gemeinnützigkeit wird angestrebt, um dem Verein im Idealfall künftig größeren finanziellen Spielraum zu ermöglichen.

Nierwetberg schilderte in seinem Grußwort zum einen die erfreuliche Entwicklung des Vereins seit dessen Gründung: Die Mitgliederzahl ist von knapp 30 auf mittlerweile 70 gestiegen. Darunter sind 32 Unternehmen und Institutionen, 15 Startups, 14 Einzelpersonen und neun Mentoren. Unter den drei Säulen der Vereinsarbeit (Gründung, Digitale Transformation, IT-Bildung) habe sich speziell der Bereich Gründung sehr positiv entwickelt, auch in Sachen IT-Kompetenz habe nextMG wichtige Impulse setzen können. Sebastian Leppert schilderte in seinem Ausblick für die künftige Vereinsarbeit, dass es im Zuge des Strukturwandels die wichtigste Aufgabe sein werde, die bereits eklatante „MINT-Lücke“ zu schließen und für ausreichend Fachkräftenachwuchs in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu sorgen. Man wolle weiterhin alle Beteiligten aus dem Kreis der Bürgerinnen und Bürger, aus Politik, Verwaltung und der lokalen Wirtschaft herzlich dazu einladen, mit nextMG zusammen die bevorstehenden und hochgradig verändernden Transformationen auf allen Ebenen zu begleiten, so Leppert weiter. „Der Verein wird aber auch von sich aus – wie in den letzten drei Jahren – die Initiative ergreifen und in allen Bereichen der Stadt die digitale Transformation voranbringen. Dies geschieht aus der tiefen Überzeugung, für die Heimatstadt und die Region einen sicheren und guten Platz unter den Städten der Zukunft zu ermöglichen.

Für Rückfragen:

Ute Schmeiser
Vorstand Kommunikation
Telefon: 0175 502 2017
Mail: us@schmeiser-marketing.de

Foto: Der neue Vorstand von nextMG (v.l.): Rafael Lendzion, Sebastian Leppert, Susanne Feldges, Heike Grünert, Thorsten Unger und Michael Bahrke. Es fehlt Ute Schmeiser. Foto: nextMG e.V.

 

#meetup.MG 03/20: So funktioniert das NRW-Gründerstipendium

Unser MeetUp ist aus der Weihnachtspause zurück und startet mit viel frischem Wind ins neue Jahr. Wir beginnen das Meetup Jahr mit dem NRW-Gründerstipendium. Dieses Förderungsangebot wurde bereits über 1.000-mal vergeben und auch acht Gladbacher Startups nutzen diese finanzielle Unterstützung. Bei unserem ersten Meetup am 06. Februar um 18:30 Uhr pitchen Michael Feinauer und Jia Sun, die ein Startup für Tofu-Produktion gründen.  Auch sie haben sich vorab schon unserer Fragerunde gestellt. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher bei FIL MEA, Annakirchstraße 63!

Beschreibt Euch in drei Hashtags.

#Weltbürger, #ErgänzenStattErsetzen, #Allrounder

Was ist die Vision von Eurer Gründung?

Tofublätter als Proteinquelle in den alltäglichen Speisenplan der Verbraucher in Deutschland zu integrieren, und als Teil der Lösung zur bequemen Reduktion von CO2 Emissionen beitragen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Die genaue Idee hat sich über einen längeren Zeitraum herauskristallisiert, im Hinterkopf war sie eigentlich schon viele Jahre.

Wie war Euer Werdegang, wo kommt Ihr her?

Dipl.-Medienwirtin (FH) aus China + Industriemechaniker aus der Pfalz.

Wie sind die Reaktionen auf Eure Idee?

Distanziert -> Aktzeptiert -> Positiv

Was waren Eure größten Misserfolge oder Fehler auf dem Weg zur Gründung?

Nicht früher für Gründung entschieden zu haben.

Was bedeutet es für euch,  euer eigener Chef zu sein?

Endlich uns selbst gefunden.

Was steht als Nächstes für euer Startup an?

Geeignete Produktionsräume und die Finanzierung.

Mit wem würdet Ihr gerne mal ein Bier trinken?

Mit Freunden und uns selbst auf dem 10-jährigen Jubiläum unseres Unternehmens!

Eure Top 3 Tipps für Gründer/Gründungsinteressierte?

Durchhaltevermögen! Durchhaltevermögen! Durchhaltevermögen!

 

#meetup.MG 02/20: So funktioniert das NRW-Gründerstipendium

Unser MeetUp ist aus der Weihnachtspause zurück und startet mit viel frischem Wind ins neue Jahr. Wir beginnen das Meetup Jahr mit dem NRW-Gründerstipendium. Dieses Förderungsangebot wurde bereits über 1.000-mal vergeben und auch acht Gladbacher Startups nutzen diese finanzielle Unterstützung. Benita Görtz von der IHK Mittlerer Niederrhein stellt bei unserem Meetup am 06. Februar um 18:30 Uhr das Gründerstipendium im Detail vor. Vorab hat sie uns schon die wichtigsten Rahmenpunkte zum Gründerstipendium genannt. Wir freuen uns auf das erste Meetup in 2020 bei  FIL MEA, Annakirchstraße 63!

Das Gründerstipendium ist eine Förderung vom Land NRW für Gründungswillige und Gründer. Deren Gründung noch keine 12 Monate zurückliegt. Gerne dürfen die Bewerber sich als Team mit maximal 3 Personen bewerben. Das Land fördert mit dem Stipendium Gründer, die sich in Vollzeit auf ihre Gründung konzentrieren wollen mit 1.000 € pro Monat. Das Geld können Gründer für maximal 12 Monate beziehen.

Gefördert werden Ideen, die innovativ sind, d.h. in besonders zukunftsversprechenden Technologiezweigen angesiedelt sind oder die Verbesserung einer bestehenden Technologie darstellen. Die Idee braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Um das Stipendium zu erhalten, müssen die Gründer ein Ideenpapier einreichen und ein Pitch vor einer Jury halten. Wenn die Jury die Idee empfiehlt, können die Gründer sich beim Projektträger Jülich für das Gründerstipendium bewerben.

 

 

 

#meetup.MG 01/20: So funktioniert das NRW-Gründerstipendium

Unser MeetUp ist aus der Weihnachtspause zurück und startet mit viel frischem Wind ins neue Jahr. Wir beginnen das Meetup Jahr mit dem NRW-Gründerstipendium. Dieses Förderungsangebot wurde bereits über 1.000-mal vergeben und auch acht Gladbacher Startups nutzen diese finanzielle Unterstützung. Auch Gizem Bulut und Judith Grünwald sind Stipendiatinnen und berichten bei unserem Meetup am 06. Februar um 18:30 Uhr von ihren Erfahrungen. Sie haben gemeinsam den Unverpackt-Laden FIL MEA eröffnet und wollen so den Alltag der Gladbacher nachhaltiger gestalten. Auch sie haben sich vorab schon unserer Fragerunde gestellt. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher bei FIL MEA, Annakirchstraße 63!

Beschreibt Euch in drei Hashtags.

#femaleentrepeneur #sustainablebusiness #greeneconomy

Was ist die Vision von FIL MEA?

Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr. Wir wollen Umweltbewusstsein neu kommunizieren: Weniger erhobene Zeigefinger, mehr Augenhöhe. Damit wollen wir Nachhaltigkeit wirklich in die Mitte der Gesellschaft bringen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Wir haben bereits 2 Jahre vor der Planung von FIL MEA begonnen, unseren Alltag nachhaltiger zu gestalten. In unserer Wohnung in Köln wurde der Plastikmüll drastisch reduziert – durch bewusste Vermeidung von in Plastik verpackten Produkten. Das fiel uns in Köln nicht schwer, denn Unverpacktläden sind dort keine Seltenheit. Bei den regelmäßigen Besuchen in unserer Heimatstadt Mönchengladbach fiel uns aber unweigerlich auf, dass es hier wesentlich schwieriger war, auf Plastik zu verzichten. Viele verpackungsfreie Alternativen waren dort einfach nicht erhältlich.

Die Verbundenheit zu unserer Heimatstadt addiert mit dem Wunsch, müllfreie Produkte zugänglicher zu machen sowie der Drang nach einem Job mit Sinn führten letztlich dazu, dass wir den vollständigen Sprung in die Selbstständigkeit wagten. FIL MEA war geboren. Wichtig ist uns im Zuge der Nachhaltigkeits-Thematik vor allem eines: Weniger erhobene Zeigefinger und dafür mehr Daumen hoch.

Wie war Euer Werdegang, wo kommt Ihr her?

Wir sind beide in Mönchengladbach geboren und haben uns auf dem potpourri festival kennengelernt, das von Gizem mitbegründet und von Judith moderiert wurde. Wir sind beide in Köln zusammengezogen und haben dort studiert: Judith hat ihren Abschluss in Medienmanagement, Gizem in Gesundheitmanagement.

Wie wird das Angebot angenommen? Wie waren die Reaktionen auf einen Unverpackt-Laden?

Das Angebot wird erstaunlich gut angenommen. Sehr viele Interessierte wollen einen ersten Schritt in ein nachhaltigeres Leben machen und lassen sich nicht nur von uns beraten sondern teilweise auch beruhigen: Denn die Informationsflut zum Thema „Nachhaltigkeit“ kann überfordernd und auch abschreckend sein. Da ist es von Vorteil, zu hören, dass jede_r Einzelne_r ja irgendwo anfangen muss und niemand perfekt ist – da zählen wir uns auch zu! Die Reaktionen sind durchgehend positiv. Viele freuen sich und haben nur darauf gewartet, für andere ist es total spannendes Neuland.

Was waren Eure größten Misserfolge oder Fehler auf dem Weg zur Gründung?

Den einen großen Fehler können wir nicht wirklich benennen. Es ist schon vieles anders gelaufen als geplant. Eigentlich wollten wir zum Beispiel gar nicht in den stationären Handel – denn das war in unseren Augen viel zu unsicher und finanziell ein zu großes Risiko –, sondern einen mobilen Unverpacktladen führen, mit dem wir dann von Wochenmarkt zu Wochenmarkt fahren wollten. Ein Rückschlag folgte dem anderen und naja, nun haben wir den besten Laden, den wir uns hätten vorstellen können! In unserem Fall war jeder Fehler und jeder Rückschlag im Umkehrschluss gut für uns. Wir hoffen, dass es so weitergeht!

Was bedeutet es für euch,  euer eigener Chef zu sein?

Ganz viel Freiheit und ganz viel Verantwortung.

Was steht als Nächstes für euer Startup an?

Wir wollen dieses Jahr im größeren Stil mit Kooperationen mit Institutionen wie Schulen und Kindergärten starten. Am liebsten wäre es uns, wenn wir auch schon dieses Jahr anfangen könnten, Unternehmen und Ämter dabei zu unterstützen, den Arbeitsalltag nachhaltiger zu gestalten. Außerdem überlegen wir schon fleißig, wo wir unseren nächsten Laden eröffnen könnten. Wir haben viel vor!

Mit wem würdet Ihr gerne mal ein Bier trinken?

Mit Tupoka Ogette und Serena Williams.

Eure Top 3 Tipps für Gründer/Gründungsinteressierte?

    1. Rückschläge sind wichtig und werden dich stärker und resilienter machen.
    2. Sei authentisch und stehe wirklich hinter deiner Idee: Wenn du es nur für die Selbstständigkeit tust, lass es lieber sein. In der x-ten schlaflosen Nacht voller Arbeit wird dich wahrscheinlich nur die Leidenschaft und absolute Überzeugung durchhalten lassen.
    3. Lass dir helfen! Es gibt viele Beratungsstellen oder Förderungen, die dich und deine Idee in der Anfangsphase (oder auch darüber hinaus) entlasten können. Nimm diese Unterstützung an!

Mitglieder im Gespräch: Dr. Norbert Miller (Scheidt & Bachmann)

Tradition mit Gründerspirit: Scheidt & Bachmann

Wer an einer Shopping Mall in Nairobi parkt, in Toronto Bus und Bahn nutzt oder in Berlin, Bern oder Mönchengladbach tankt, hat vermutlich schon einmal Scheidt & Bachmann Produkte benutzt. Das Familienunternehmen wurde 1872 gegründet und befindet sich derzeit unter der Führung von Dr.-Ing. Norbert Miller in der mittlerweile fünften Generation der Gesellschafterfamilie. Rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus fast 50 Nationen arbeiten weltweit an Lösungen für eine mobile Welt. Scheidt & Bachmann ist seit 2017 Mitglied von nextMG.

nextMG: Warum ist für ein Traditionsunternehmen wie Scheidt & Bachmann das Thema Gründung wichtig?

Dr. Norbert Miller: Wir leben in einer Zeit, in der sich die Marktanforderungen im Technologie-Sektor rasend schnell verändern. Durch die Gründung spezialisierter Unternehmen sind wir in der Lage, flexibel und kurzfristig auf diese Änderungen zu reagieren. Zum einen können sich die kleinen, somit agileren Strukturen besser auf neue Zielsetzungen konzentrieren, zum anderen hat es sich bewährt, durch gemeinsame Gründung mit ähnlich orientierten Unternehmen Know-how zu bündeln, um dadurch schneller Lösungen für neue Marktanforderungen zu finden.

nextMG: Sie haben eine lange Tradition – was verändert sich aus Ihrer Sicht gerade in der Wirtschaft?

Dr. Norbert Miller: Die technologischen Weiterentwicklungen bieten zahlreiche Möglichkeiten für neue, kundenfreundlichere und umweltentlastende Lösungen, vor allem im Mobilitätssektor. Hier nicht nur Schritt zu halten, sondern Vorreiter zu sein, ist unser Ziel. Wir hinterfragen unsere eigenen Systeme fortlaufend und investieren in unsere Innovationskraft. Eine große Veränderung findet zudem in der Unternehmenskultur allgemein statt. So sind heute zum Beispiel eine ausgeglichene Work-Life-Balance sowie ein flexibles Arbeitsumfeld Grundvoraussetzungen dafür, Mitarbeiter langfristig für sich zu gewinnen. Fachkräfte werden in Zeiten der digitalen Revolution und Internet 4.0 stark umworben. Somit sind heute wir Unternehmen am Zug, uns attraktiv aufzustellen, um die passenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf uns aufmerksam zu machen.

nextMG: Wie denken Sie muss sich der Standort Mönchengladbach entwickeln, um sich auf diese Veränderungen auszurichten?

Dr. Norbert Miller: Für Mönchengladbach wird es wichtig sein, attraktiven Lebensraum anzubieten, denn der ist für junge Fachkräfte genauso wichtig wie die Attraktivität der Unternehmen selbst, wenn es darum geht, ob sie in Mönchengladbach oder eher in Berlin oder München heimisch werden.

nextMG: Sie haben 2018 die Mehrheit an dem Start-up evopark erworben. Was war der Grund für eine solch enge Zusammenarbeit mit einem Start-up?

Dr. Norbert Miller: Scheidt & Bachmann entwickelt und produziert bereits seit 1966 Lösungen für das Parkraummanagement. Das Produkt „evopark“ eignet sich hervorragend für die Integration in unser Portfolio und stellt eine wichtige Komponente im Bereich der intelligenten Parkraumbewirtschaftung dar. Die enge Zusammenarbeit mit evopark, die schließlich zum Erwerb von Mehrheitsanteilen führte, war somit eine naheliegende Entscheidung und ein Beispiel für das eben angesprochene Investieren in unsere Innovationskraft.

nextMG: Digitalisierung bedeutet für Ihr Unternehmen …

Dr. Norbert Miller: Die Digitalisierung bestimmt nahezu unser gesamtes unternehmerisches Handeln, denn sie steckt in jedem unserer Systeme und hat im Umsatz die mechanischen Komponenten weit hinter sich gelassen. Alleine die Digitalisierung des Schienenverkehres in Deutschland „Digitale Schiene Deutschland“ wird durch unseren Geschäftsbereich „Systeme für Signaltechnik“ maßgeblich beeinflusst werden. Auch für die internen Prozesse bietet die Digitalisierung große Möglichkeiten. Das Vernetzen unserer Mitarbeiter weltweit und das Teilen von Wissen ist eine wichtige Voraussetzung für unseren zukünftigen Erfolg. Neben der Digitalisierung zahlreicher Prozesse haben wir beispielsweise gerade eine Mitarbeiter App eingeführt, die für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit eine Zeitenwende in der Kommunikation bedeutet und ohne die Digitalisierung nicht möglich wäre.