Die alten Quellen des „Wachstums“ versiegen! Mönchengladbach steht vor einem neuen Strukturwandel

Mönchengladbach steht vor einem weiteren Strukturwandel, die Ansiedelung von Logistik, die in den vergangenen Jahren für Beschäftigung gesorgt hat, kommt durch den Verbrauch der Flächen an ein Ende. Wir müssen über die kommenden Wachstumstreiber nachdenken.

Mönchengladbachs bisheriges Wachstum kommt aus dem, wie Ökonomen es nennen, tertiären Sektor (Handel- und Dienstleistung – insb. Logistik), der industrielle Kern (sekundärer Sektor) schrumpft. Es kommt zu einer „schleichenden Verschiebung“ in Richtung des tertiären Sektors (siehe Präsentation, Teil I). Das ist ein allgemeiner Trend.  In Mönchengladbach aber konzentriert sich dieser Wandel in Branchen mit geringer Wertschöpfung und führt damit auch zu geringeren Löhnen: „Mönchengladbach ist, was die Höhe des Einkommens angeht, in den vergangenen fünf Jahren im NRW-Vergleich deutlich abgerutscht. Im Jahr 2012 lag die Stadt noch mit 19.840 Euro verfügbares Einkommen je Einwohner auf Rang 243 im Land.“ (Rheinische Post, 2. Oktober, 2018)

Wie kann diese Entwicklung positiver für die Stadt gestaltet werden? Das ist die Frage, die uns am Standort umtreiben sollte. Eine Enttäuschung vorab: Es wird nicht „die eine Lösung“ geben! Konzepte für die Ansiedelung neuer Branchen mit höherer Wertschöpfung zu entwickeln ist eine komplexe Aufgabe! Aber einige Teile eines erfolgreichen Konzepts scheinen immer klarer zu werden, wenn man die erfolgreichen Standorte in Deutschland analysiert.

Der Mix am Standort muss sich verändern – wir brauchen alte und neue Welt!

Wenn sich die Stadt Mönchengladbach als Wirtschaftsstandort weiter entwickeln will und eine Rolle in der digitalisierten Wirtschaft der Zukunft spielen will, dann braucht die Stadt neben der Ansiedelung von Bürofläche eine Strategie um kleinteiligere, innovative Unternehmen am Standort anzusiedeln. Unternehmen aus dem Bereich IT, Gründungen und das Prinzip des Innovationstransfers haben das Potential Beschäftigung mit höherer Wertschöpfung an den Standort zu bringen. In diesen Bereichen sollte sich Mönchengladbach aus Sicht von nextMG stärker positionieren: Wir brauchen jetzt mehr Mut bei der Förderung von Infrastruktur für kleinteilige, innovative Gründer und die Stadt muss den Innovationstransfer konsequenter angehen. Ein Ort der Zukunft könnte das Polizeipräsidium werden. Denn die Stadt braucht mehr Orte an denen Innovationstransfer und Gründerkultur aufeinandertreffen! Wichtig ist bei der zukünftigen Entwicklung des Standorts vor allem eins: Wir brauchen einen Mix am Standort, nur auf Gründung und Innovationstransfer zu setzen, wäre falsch. Genauso falsch wie auf eine reine Büroflächenentwicklung zu setzen. Der Mix wird entscheidend für die Zukunft, daher müssen wir den Aufbau der bisher am Standort unterentwickelten Bereiche JETZT angehen!

Strukturwandel gestalten – jetzt alle Akteure zusammenbringen!

Mönchengladbach als Wirtschaftsstandort in diese Richtung weiterzuentwickeln – und damit den Mix aus Wachstumstreibern zu verbessern – erfordert den Strukturwandel jetzt aktiv zu gestalten! Wir brauchen dazu eine konzertierte Aktion aller Akteure der Stadt (Standverwaltung, städtische Gesellschaften, Hochschule, Bildungseinrichtungen, Verbände und Unternehmen) in drei Dimensionen: 

  • Ökosystem für Gründungen aufbauen (Rahmenbedingungen & Plattformen schaffen)
  • Talent am Standort aufbauen & halten (Ressource Talent ausbauen)
  • InnovationsnetzwerkMG aufbauen (Austausch fördern)
Meta-Konzept-Standortentwicklung-MG

Den Standort Mönchengladbach für die Champions League qualifizieren: Tore schießen beim Thema Digitalisierung und Gründung!

Es gibt die Initiative nextMG jetzt 2,5 Jahre. Im Dezember 2016 gegründet haben wir in den vergangenen Monaten viele Impulse setzen können und sind mit vielen Verantwortlichen aus Verwaltung, Politik und Unternehmen in einem guten Dialog. Wir sind als Stadt auf dem Weg und das Glas ist da halbvoll, aber eben nur halb!

Wenn wir die Stadt in dem Hochgeschwindigkeitsrennen Digitalisierung und wirtschaftlicher Wandel nach vorne bringen wollen, brauchen wir mehr als guten Willen und ein paar Evangelisten, die durch Vorträge turnen und das hohe Lied der kommenden Digitalisierung singen. Wir brauchen ein volles Glas!

Mönchengladbach steht vor einem weiteren Strukturwandel, die Ansiedelung von Logistik, die in den vergangenen Jahren für Beschäftigung gesorgt hat, kommt durch den Verbrauch der Flächen an ein Ende. Wir müssen über die kommenden Wachstumstreiber nachdenken.

nextMG hat diesen kommenden Strukturwandel schon vor 2,5 Jahren kommen sehen und sich daher zwei Hauptziele gesetzt: Gründerkultur fördern und den Standort Mönchengladbach auf die Digitalisierung ausrichten. Wir sind überzeugt davon, dass sich der Strukturwandel der Wirtschaft nicht aufhalten lässt, aber er lässt sich gestalten. Daher unser Motto: „Zukunft gestalten“!

Ein paar persönliche Anregungen aus den Erfahrungen und Dialogen in den vergangenen 2,5 Jahren: Was braucht Mönchengladbach, um als Standort in einer digitalisierten Welt und veränderten Wirtschaft in die Champions League Qualifikation zu kommen (kleiner Seitenhieb auf unseren Imageträger Nummer eins – musste sein😉)?:

  • MG braucht mehr Mut bei der Förderung von Infrastruktur für kleinteilige, innovative Gründer und die Stadt muss den Innovationstransfer konsequenter angehen: In der sich immer stärker digitalisierenden Wirtschaft, die immer kürzere Produktzyklen ermöglicht und erwartet, ist Innovation ein Treibstoff geworden – wesentlich wichtiger als er es bisher schon war. Dieser Prozess braucht Plattformen. Das WESTEND.MG könnte so eine Plattform sein, vielleicht auch in einem weiteren Schritt das leerstehende Polizeipräsidium – mit seiner Nähe zur Hochschule Niederrhein ein idealer Ort. Aber es braucht Investitionen in dieses Ökosystem. Wenn ein Gewerbegebiet erschlossen wird, dann zahlt die Stadt auch Straßen und Infrastruktur. Wir müssen da umdenken: Die Infrastruktur für diese neue Wirtschaft sind nicht Straßen und Gebäude, sondern Talent (siehe nächsten Punkt) und Investitionen in neue Arten der Infrastruktur wie das WESTEND.MG, MakerSpaces, Experimentierräume, etc. Siehe dazu auch andere Beiträge in unserem Blog. Wir dürfen diese Investitionen nicht scheuen!
  • MG braucht mehr Initiative beim Thema digitale Bildung: Wir brauchen mehr IT-Ausbildung am Standort! IT-Kompetenz ist das Ingenieurwesen des 21. Jahrhunderts: Ohne Ingenieure gäbe es keine Industrieproduktion, keine Straßen, keine Brücken – ohne IT-Kompetenz wird es keine Vernetzung, keine Datenauswertung, keine Wertschöpfung in der digitalisierten Wirtschaft geben! Darum ist digitale Aus- und Weiterbildung für den Standort eines der relevantesten Zukunftsthemen! Ein Standort ohne ausreichende IT-Kompetenz wird im Zeitalter der sich digitalisierenden Industrie & Wirtschaft nicht am Wachstum partizipieren können! Wir müssen IT-Ausbildung am Standort Mönchengladbach fördern! Der CodeCubMG ist ein guter Anfang, wir brauchen mehr davon!
  • MG sollte sich noch stärker in der digital Kommunikation positionieren: Die Stadt und ihre Gesellschaften brauchen eine modernere Kommunikation: Blogs, die Wissensquellen vernetzten, einen Bürger-Blog, der Inhalte über die Stadt produziert – auch über kleine Initiativen, Vereine und Stadtteile, eine klare Facebook- und Twitter-Positionierung und Abstimmung der Kanäle. Was in den vergangenen Monaten bei mit der Kampagne DeinMG passiert ist, geht schon etwas in diese Richtung (hier fehlt noch ein wenig die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen). Mehr davon. Beim Thema Transparenz machen Städte wie Mannheim im Netz mehr her als MG – das sollte so nicht bleiben. Die „wachsende Stadt“ braucht ein Image und eine klare Positionierung im Netz, denn die Zielgruppe der 30- bis 40jährigen, die in all die neuen Wohnungen ziehen sollen, die in der Stadt in den kommenden Jahren entstehen sollen, sind eher im Netz zu erreichen als über die klassischen Medien (google it, if you don’t belive it). Standortmarketing geht in diesen Zielgruppen fast ausschließlich über digitale Kanäle. Wir müssen die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation konsequenter nutzen!
  • MG sollte das Thema Smart City / eGovernment aktiver angehen:
  1. Wir brauchen als Stadt mehr eGovernment Initiative! Eine echte Open Data Initiative wäre ein Anfang. Die Stadt und ihre Gesellschaften sollten ihre Datenbestände stärker öffnen und mehr Open Data Projekte fördern, andere Städte machen es vor! Wir brauchen da mehr Initiative aus der Verwaltung.
  2. Erste Prozesse sollten Ende-zu-Ende digitalisiert werden. Die Prozesse und Lösungen kann man von anderen Städten übernehmen. So hat die Stadt Bonn bereits einen digitalen Prozess für die Anmeldung von Neubürgern.
  3. Ein Traum im Bereich Digitalisierung der Stadt wäre der Ansatz, den die Stadt Amsterdam verfolgt, die eine digitale Partizipationsplattform etabliert hat. Das Konzept ist einer der Gründe, warum Amsterdam im Moment Schauplatz vieler ungewöhnlicher digitaler und nachhaltiger Projekte ist. Die Stadt Mannheim geht einen ähnlichen Weg.

Mit der Stabsstelle „Digitale Transformation“ hat die Stadt einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternommen. Jetzt braucht es Willen und Mut zur Umsetzung: Wir müssen in Pilotprojekten experimentieren und gute Konzepte aus anderen Städten kopieren!   

Lasst uns das Glas zum Überlaufen bringen – das Image der Stadt wird davon nachhaltig profitieren! Zukunft gestalten!

Mönchengladbachs Zukunftsschwalbe: Ein gutes Zeichen, aber noch kein Sommer!

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt man. Und ein Ort für Innovationstransfer und Gründerkultur macht noch keinen Strukturwandel. Am 8. Mai wir in der Stadt feierlich das WESTEND.MG eröffnet: Ein Ort, der das Miteinander von Startups, Mittelständlern, Kreativen und Bildungseinrichtungen fördern soll. Das ist für den Wirtschaftsstandort Mönchengladbach existenziell wichtig.

In der sich immer stärker digitalisierenden Wirtschaft, die immer kürzere Produktzyklen ermöglicht und erwartet, ist Innovation ein Treibstoff geworden – wesentlich wichtiger als er es bisher schon war.

Aber kreative Lösungen und innovative Ideen entstehen nur unter bestimmten Bedingungen. Innovationen entstehen nicht dienstags, um 15:30 Uhr in Raum B4.32. Innovationen entstehen durch das Zusammenfinden von Menschen mit Ideen. Innovationen entstehen aus dem Transfer von einer Idee in eine anwendbare Umsetzung, die dann unternehmerisch genutzt werden kann: Dieser Prozess nennt sich Innovationstransfer. Dieser Prozess braucht Plattformen. Das WESTEND.MG könnte so eine Plattform sein, vielleicht auch in einem weiteren Schritt das leerstehende Polizeipräsidium – mit seiner Nähe zur Hochschule Niederrhein ein idealer Ort.

Die Eröffnung des WESTEND.MG sollte somit Anfang einer Entwicklung sein. Jetzt braucht es mehr und konzentrierte Arbeit am Wandel, denn Mönchengladbach braucht den nächsten Strukturwandel: Der Fokus und die Ausrichtung muss weg von den großen Gewerbegebiets-fressenden und im Durchschnitt schlechter entlohnenden Logistik-Anbietern hin zu einer kleinteiligeren, innovativen Wirtschaftsstruktur.

Eine konsequentere Ausrichtung auf die Zukunft ist notwendig.

Neben dem WESTEND.MG und einem Ökosystem für Unternehmensgründungen und Innovationstransfer braucht es mehr digitale Bildungsangebote am Standort. Die Zukunft der Wirtschaft wird digital. Ein Standort ohne ausreichendes Talent in diesem Bereich (IT, Programmierung) ist wie ein Gewerbegebiet ohne Autobahnanschluss. Und es braucht eine stärkere Vernetzung aller Akteure und den Fokus auf ein Ziel: Strukturwandel.

Wenn sich die Stadt Mönchengladbach als Wirtschaftsstandort weiter entwickeln und damit auch eine Rolle in der digitalisierten Wirtschaft der Zukunft spielen will, dann braucht die Stadt eine konzertierte Aktion aller Akteure (Standverwaltung, städtische Gesellschaften, Hochschule, Bildungseinrichtungen, Verbände und Unternehmen) in drei Dimensionen: 

  • Ökosystem für Gründungen aufbauen (Rahmenbedingungen schaffen)
  • Talent am Standort aufbauen & halten (Ressource Talent ausbauen)
  • InnovationsnetzwerkMG aufbauen (Austausch fördern)

In der Konsequenz des Handels liegt der Schlüssel, denn nur die Standorte, die diese Themen nachhaltig, konsequent und unter Weglassen von abweichendem Handeln ihren Weg in die digitalisierte Wirtschaft gehen, werden am Ende des (Struktur)Wandels die erhofften und gewünschten Ergebnisse erhalten. Wer hier nur „ein bisschen“ wagt, wird am Ende gar keinen Erfolg haben. Für zaghaftes Handeln ist der Wettkampf der Standorte schon zu weit fortgeschritten.

Das WESTEND.MG ist dabei nur einer der Bausteine. Eine Schwalbe, kein Sommer.

Blog-Gesamtkonzept-Ökosystem-MG

Eh du, du willst gründen? Wir müssen über Tricks reden!

Liebe Gründerinnen und Gründer, liebe Träumerinnen und Träumer, wir müssen reden! Nach 1,5 Jahren nextMG haben wir über die Gründerszene der Stadt viel gelernt. Hier ist in letzter Zeit viel los, aber es fehlt an einigen Basics und – die WM ist ja gerade vorbei, da darf ich solche Bilder noch nutzen – der Zug zum Tor! Dem Willen es zu tun!

Wir haben auf unserem monatlichen Treffen, dem meetupMG, viele gute Ideen kennengelernt. Aber vielen von euch fehlt der systematische Angang an die Sache. Wer ein Start-up gründen will, der geht immer ein Risiko ein – sich anstellen lassen ist bei der aktuellen Arbeitsmarktlage bestimmt einfacher. Aber „was gründen“ ist zu 100 Prozent dein Ding und die Erfahrungen, die du da machst, kann dir kein Studium vermittelten. Scheitern ist keine Niederlage, sondern eine Erfahrung! Winners are not those who never fail, but those who never quite… (Banksy)

Be brave, but don’t be stupid!

Aber es gibt ein paar Tricks, die ihr euch aneignen solltet, denn damit könnt ihr das Risiko begrenzen: Diese Tricks heißen: Minimum Viable Product, Business Model Canvas, Customer (agile) Development! Sagt euch nix? Ich empfehle schon seit langem jeder Gründerin und jedem Gründer das Buch von Eric Ries „The Lean Startup“ Leute, lest das, bevor ihr zur Bank geht und bevor ihr 100e Stunden in den Traum investiert! Be brave, but don’t be stupid!

Was da mancher auf der Uni gelernt hat und was euch manche Leute über Business-Pläne erzählen, ist NICHT das, was euch erfolgreich macht. Die alte Schule des Business-Plans geht davon aus, dass man einen Markt einschätzen und erfassen kann – vom Schreibtisch aus! Blödsinn! Märkte sind nichts anders als Kundenbedürfnisse und die muss man er-testen und ausprobieren. Hohe Kapitalbindung und hohe Investments aufgrund eines Business-Plans sind „old school“ und risikoreich! Unternehmertum ist immer mit Risiko verbunden, aber ihr könnt das auch smart angehen!

„The Lean Start-Up“ ist eine Methode!

Steve Blank, Professor an der Stanford University, hat es mal so zusammengefasst:

“It’s a methodology called the “lean start-up,” and it favors experimentation over elaborate planning, customer feedback over intuition, and iterative design over traditional “big design up front” development.” Wer keine Zeit hat, das Buch von Eric Ries zu lesen, sollte wenigstens den Artikel von Steve Blank in der Harvard Business Review lesen!

Kommt zum meetupMG wir werden dazu immer mal wieder was sagen und euch unterstützen! Check unsere Facebook-Seite für die Termine.

Smart City MG – lasst uns anfangen! Eine Anregung von nextMG zum Thema.

Was ist eine Smart City? Eine smarte City ist mehr als eine Stadt mit Sensoren und ein paar Straßenlaternen, die bei Bewegung Licht geben und sonst schlummern.

Städte wirklich smart machen bedeutet Daten vernetzen! Aber der Weg dahin geht über einige Stufen: Sensoren und Datenerhebung sind die erste Stufe, aber die Vernetzung dieser Daten macht die Stadt erst smart. Wenn wir uns in Mönchengladbach – auch im Sinne der mg+ wachsenden Stadt – auf den Weg in die Zukunft machen wollen, müssen wir dafür Grundlagen schaffen! Jetzt! Die Digitalisierung der Welt schreitet voran und sie wird vor dem Raum Stadt nicht haltmachen.

Einige Anregungen von nextMG zu dem Thema. (sorry, ist länger geworden als gedacht)

Aktuell geht es darum Grundlagen zu schaffen und Lösungen zu pilotieren: Im Moment weiß noch niemand in der Industrie wie genau die smart und digitalisierte Stadt aussehen wird. Aber einige grundlegende Umrisse zeichnen sich ab:

  • Die smarte und digitalisierte Stadt wird mehr Kooperation erfordern und damit auch mehr kooperatives Denken. Die smarte City lebt von Daten. Ein einfaches Beispiel: Wie viele Bürgerinnen und Bürger fahren mit Autos wann wo, wie viele Fahrräder fahren wo, wie viele Parkplätze gibt es wo, welche Orte werden wann genutzt, wie sind diese Orte an den Öffentlichen Nahverkehr angebunden, etc. habe ich all diese Daten in einem – anonymisierten – Datenpool, dann kann ich bspw. Verkehr besser steuern. Im Moment noch Utopie. Aber wenn künstliche Intelligenz Programme Wirklichkeit werden, dann kann ich automatisiert, bspw. über eine Stadt-App dem Bürger sagen, wo und wann Parkplätze frei sein werden oder ob sich die Nutzung von Alternativen wie Fahrrad oder Bus lohnt. Alles Quatsch? Zukunftsgelaber? Schauen Sie in ihre Google-App und rufen sie einige ihr Lieblingsrestaurant auf. Wenn diese bei Google registriert sind, dann finden sie dort die dort die Angabe „Stosszeiten“ mit einer Grafik, die ihnen zeigt, wann der Ort mehr oder weniger frequentiert ist (siehe Foto unten). Um anonymisierte Daten intelligent zu vernetzen braucht es Datenseen, wie es der ITler nennt. Speichert jeder seine Daten in einem abgeschotteten Pool, dann kann keine Vernetzung stattfinden. Daher muss jede Datenbank der städtischen Gesellschaften, jede Datenerhebung der Verwaltung heute schon so gedacht werden, dass sie eine Schnittstelle für anonymisierte Datenübertragung hat. Es geht dabei NICHT um personenbezogene Daten, also darum, ob Peter oder Petra Müller, geboren am 5. Mai 1969, wohnhaft in der Kaiserstraße 89, etwas macht, sondern um den Datenpunkt: Bürger X. Ich kann bei dem Google-Service auch nicht sehen, wer das Restaurant besucht, nur die Anzahl. Was bedeutet das für die Stadt:
    • Diese Art der Verwertung von Daten muss den Bürgerinnen und Bürgern erklärt werden und sie muss dem Datenschutz Rechnung tragen. Die Digitalisierung von Bewegungsdaten birgt große Chancen für die Stadtplanung, aber sie muss auch vermittelt werden – und ja, sie birgt, schlechtgemacht, auch Risiken.
    • Die Stadt muss Daten als strategisches Gut denken und in die Datenerhebung investieren.
    • Alle Datenbanken müssen holistisch gedacht werden, wenn ich Auswertungen fahren will, brauche ich Schnittstellen, die miteinander Daten austauschen können.
    • Die Stadt braucht jetzt die EINE Stadt-App, in der viele Services gebündelt werden können. Erst durch eine gute App, die viele Bereiche des Lebens abdeckt (Müll, Verwaltungsvorgänge, Nahverkehr, Museen, Bibliotheken, Einritte in Bäder, etc), wird die App für die Bürgerinnen und Bürger einen Mehrwert bieten und damit attraktiv. Info-Apps sind tot; transaktionsbasierte Apps sind der Trend – die App sagt mir, wann der Sperrmüll im Viertel rausgestellt werden kann oder wann mein Personalausweis verlängert werden muss. Oder wann es wie voll im Amt xy ist, wenn ich sie danach frage.

  • Die Digitalisierung der Städte ist eine komplexe Querschnittsaufgabe, die Expertise aber vor allem Koordination bedarf (siehe Punkt zuvor). Für die einzelnen Verwaltungseinheiten und Gesellschaften wird es schwierig diese Aufgabe zu koordinieren. Seit einigen Jahren richten Unternehmen und auch einige Städte deshalb sogenannte Chief Digital Officers (CDO) ein, deren Aufgabe es ist, die digitale Entwicklung für die gesamte Stadt zu koordinieren und zu steuern – also eine Gesamtstrategie entwickeln und deren Umsetzung sicherstellen. Es ist damit die Aufgabe des CDOs für das oben genannte Szenario die richtige Strategie zu entwickeln. Die Aufgabe wird in der digitalen Zukunft so wichtig wie die traditionelle Stadtentwicklung. Was bedeutet das für die Stadt:
    • Die Stadt Mönchengladbach sollte diese Stelle eines CDO zeitnah schaffen! (Die Diskussion läuft wohl innerhalb der Verwaltung schon, was wir als nextMG sehr begrüßen!)
  • Bei aller Begeisterung, kein Aktionismus: die Technik wird sich noch entwickeln, wir brauchen Piloten. Wie gesagt, keiner weiß im Moment wie die Smart City genau aussieht. Erste Standards werden gerade entwickelt. Wir brauchen Piloten und Experimente. Der Weg wird in Mönchengladbach – auch unter Mithilfe von nextMG – gerade beschritten: Das Kompetenzzentrum Social Urban Design (SOUND) der Hochschule Niederrhein experimentiert gerade mit solchen Modellen in Mönchengladbach. Wir müssen ausprobieren, was sinnvoll ist und was vernünftige Anwendungen sind. Dieser Punkt ist in der Digitalisierung immens wichtig: Try first, scale later – erst testen, dann skalieren! Alles andere führt zu teuren Investitionsruinen! Unternehmen wie IBM oder Cisco suchen Experimentierfelder und Verwaltungen, die bereit sind, sogenannte Referenzmodelle aufzubauen, wenn sie unterstützt werden (bspw. bei Genehmigungen). Was bedeutet das für die Stadt:
    • Mehr Pilot-Projekte der Verwaltung und städtischen Gesellschaften.
    • Daran anschließend: Steal with pride – kopiere mit Stolz. Es gibt schon einige smarte Lösungen in vielen Städten. Nicht das Rad neu erfinden, sondern anwenden!
  • Der Einstieg in die Smart City sind Open Data Projekte! Der erste Schritt zur Smart City ist das Konzept „Open Data“. Mönchengladbach ist in diesem Bereich noch nicht Spitzenreiter, anders gesagt, wir sind da wirklich schlecht: Andere Kommunen wie bspw. Moers sind weiter, mutiger und aktiver! Die Blogplattform fluxMG hat dazu bereits einen längeren Blogbeitrag gebracht, inklusive Beispielen von Open Data Projekten aus anderen Städten. Open Data bedeutet die freie Verfügbar- und Nutzbarkeit von meist öffentlichen Daten. Insbesondere Verwaltungen, die eine Vielzahl von Daten erheben, könnten diese benutzerfreundlich aufbereiteten und öffentlich zugänglich machen, damit mehr Transparenz und Zusammenarbeit ermöglicht werden kann. Kurz gesagt: Diejenigen, die Daten erheben, öffnen den Zugang, damit andere die Daten nutzen können, das ist mit offenen Daten gemeint. Was bedeutet das für die Stadt:
    • Mehr Zugang bzw. Umfang von Open Data. Der CDO muss diesen Trend aktiv gestalten und fördern!
    • Smart City ist mehr als eGovernment: Mancher verwechselt eGovernment mit Smart City. eGov, also das digitalisieren von Verwaltungsvorgängen, ist EIN Teil von Smart City. Die Steuerung des Raums Stadt und die Auswertung von Echtzeitdaten, um intelligente Prozesse in der Stadt zu ermöglichen, ist jedoch ein viel weiteres Feld. Was bedeutet das für die Stadt:
    • Think big. Eine digitale Verwaltung ist gut, eine smarte, daten-intelligente Stadt ist besser! Und es ist die Zukunft!
  • Digitalisierung ist eine neue Welt – nicht analog nur auf dem Bildschirm. Digitalisierte Prozesse sind das eine, daten-intelligenten Prozesse sind etwas anders. Was ist damit gemeint: Digitalisierung und Datenverwertung bedeutet anders denken. Wenn ich weiß, dass x Menschen zum Zeitpunkt y an einem Ort sind, dann kann ich steuern und reagieren. Aber was bringt es, wenn dann bspw. kein Busfahrer oder Taxidienst mehr im Dienst ist – ich muss also meine operative Planung auf die neue Welt anpassen – bspw. durch neue Arbeitsmodelle für Busfahrer. Oder wenn ich weiß, dass Freitagnachmittag ein Engpass in der KFZ-Zulassung entsteht, aber mittwochs Leerlauf ist, dann muss ich die Dienstpläne anpassen. Das bedeutet, ich brauche vielleicht demnächst zu anderen Zeiten Kapazitäten als auf dem Papier früher geplant. Zukunftsmusik, aber wichtig um das Gesamtbild zu verstehen! Datenauswertung ohne operative Verzahnung ist Kunst um der Kunst willen. Im Management spricht man von „Embrace digital“ – nimm die Daten an und richte dein Handeln danach aus. Ein anderes Bsp.: Viele Dax-Unternehmen nutzen sogenannte digitale Vorstandsräume. Vorlagen werden eingestellt und können kommentiert und digital beschlossen werden. Der Effekt: Ich weiß im Vorfeld der Sitzung bereits, wo Fragen entstehen. „Vorstand an Fachseite: Ich verstehe die Kalkulation auf Seite 6 nicht, aus meiner Sicht ist das Risiko xy nicht abgebildet“. Resultat: Fachseite erklärt Kalkulation auf Seite 6; Vorstand: „ok, danke. Keine weiteren Fragen“. Alle sagen ok! Statt sechs Stunden „lala“ und „eh klar“ zu diskutieren, werden die wirklichen Probleme mit mehr Zeit auf der Agenda diskutiert. Die Produktivität des Gremiums steigt. Ich wette, dass das auch in einem Stadtrat funktionieren könnte! Was bedeutet das für die Stadt:
    • „Embrace digital“ – nimm die Daten & Informationen an und richte dein Handeln danach aus.

 

Welches Zielbild „digitalen Schule“ wollen wir in Mönchengladbach verfolgen? Eine Anregung!

Welches Zielbild „digitalen Schule“ wollen wir in Mönchengladbach verfolgen? Eine Anregung!

Durch die Teilnahme der Stadt Mönchengladbach am NRW-Landesprogramm „Gute Schule 2020“ fließen dringend benötigten Mittel für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen in den kommunalen Haushalt. Nachdem dieser Grundstein gelegt ist, sollte die Stadt die digitale Zukunft der Schulen angehen: Wie muss die Infrastruktur der Schulen verbessert werden, damit sie die Schülerinnen und Schüler auf die Digitalisierung vorbereiten kann? Auf Bundes- und Landesebene werden weitere Förderprogramme, insbesondere für die digitale Ausstattung der Schulen, diskutiert (Stichwort „Digitalpakt“ für eine digitale Lernumgebung, Koalitionsvertrag).

Was ist das Zielbild der „digitalen Schule“ in Mönchengladbach?

Damit könnte die Stadt gezielt und vor allem bedarfsgerecht Fördermittel für die Digitalisierung der Schullandschaft in Mönchengladbach beantragen. nextMG hat daher ein Konzeptpapier verfasst, das der Frage nachgeht, wie eine solche lernfördernde IT-Ausstattung in Mönchengladbach aussehen könnte. Mit dem Konzeptpapier will nextMG frühzeitig eine Diskussion in Gang setzen, die dazu beitragen soll, das Zielbild um eine lernfördernde IT-Ausstattung in Mönchengladbachs Schulen zu formulieren. Wir wollen damit zu einer nachhaltigen und sinnvollen Verwendung der Mittel beitragen. Die Konzepte zur Digitalisierung sind zahlreich und unübersichtlich. Wir denken, dass eine Grundlage geschaffen werden muss, die auch mit den lokalen Schulen und Lehrerinnen und Lehrern rechtzeitig diskutiert werden sollte. Wir sehen das Konzept nicht als Gegenentwurf zum „Medienentwicklungsplan“, den die Stadtverwaltung gerade erstellt, sondern als Anregung und Ergänzung.

Digitalisierung der Schulen ist mehr als Bildungspolitik – es geht um die Zukunft des Standorts

„Die Investitionen in eine lernfördernde IT-Ausstattung der Schulen am Standort Mönchengladbach sollte nicht nur unter bildungspolitischen Aspekten betrachten werden. IT-Talent am Standort Mönchengladbach zu fördern, ist auch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts und eine Investition in die Qualität des Wohnstandorts Mönchengladbach, der sich damit im Wettbewerb um Zuzug in die Stadt positiv positionieren kann“, so Mark Nierwetberg, Vorstandvorsitzender von nextMG.

Kernpunkte des Konzeptpapiers

Um eine lernfördernde IT-Ausstattung der Schullandschaft in Mönchengladbach zu gewährleisten, empfiehlt nextMG vor allem einen Schwerpunkt bei der Ausstattung der weiterführenden Schulen zu setzen. Weiterführende Schulen haben ein höheres technisches und infrastrukturelles Anforderungsprofil als Grundschulen, da sie bspw. im Bereich Programmierung tiefer eindringen, mehr Bandbreite brauchen und das Internet auch in anderen Bereichen als nur den IT-bezogenen Fächern einsetzen können. Zudem brauchen gerade die weiterführenden Schulen eine Infrastruktur, um Unterrichtsinhalte aus der Cloud oder in der Cloud oder auch aus dem Internet (aktuelle Medieninhalte bspw.) in den allgemeinen Unterricht zu integrieren. Die Digitalisierung der Grundschulen im pädagogischen Bereich kann durch andere Maßnahmen insbesondere ab der 3. Klasse realisiert werden, da gerade bei den Grundschulen vor allem die spielerische Heranführung an das Thema im Vordergrund steht. nextMG empfiehlt insbesondere die Budgetierung der laufenden Kosten im kommunalen Haushalt sicherzustellen, um die Administration der Netzwerke zu gewährleisten und ausreichend Software zur Nutzung bereitzustellen. Durch eine unzureichende Kalkulation der laufenden Kosten besteht die Gefahr, dass die Investition in die digitale Ausstattung der Schulen eine unzureichend genutzte Investitionsruine werden. „Die Schulen bedürfen eines zentralen WLAN-Managements. Das Schulnetz kann nicht durch Lehrkräfte gewartet werden, sondern muss durch professionelle Dienstleister zur Verfügung gestellt und angepasst werden“, so Mark Nierwetberg.

 

 

Online-Ansicht

nextmg-investitionsbedarf-lernfordernden-it-ausstattung-monchengladbach

 

Warum die Stadt Orte für Innovationsprozesse braucht: Dem Neuen eine Plattform bieten

Innovationen entstehen nicht dienstags, um 15:30 Uhr in Raum B4.32. Innovationen entstehen durch das Zusammenfinden von Menschen mit Ideen. Durch das Vernetzen von Menschen mit Wissen und Ideen. Innovation ist kein linear planbarer Prozess, der dem Planungsprozess des Managements folgt. Es ist ein eher chaotischer Prozess, der unterschiedliche Leute zusammenbringt und dem Zufall eine produktive Plattform bietet.

Von Nobelpreisträgern lernen: Orte für Austausch schaffen!

Ein Beispiel: Zwei der Nobelpreisträger 2017 für Medizin, Jeffrey C. Hall und Michael Rosbach, haben zueinander gefunden und ihr Wissen miteinander weiter entwickeln können, weil sie sich regelmäßig nach dem Basketball spielen über ihre Forschung austauschen konnten. Oder wie William Fischer, Professor für Innovationsmanagement an der IMD Business School in Lausanne in einem Vortrag auf einer Konferenz mal gesagt hat: „Stellen sie sich Innovation eher als einen sozialen Prozess vor – es ist eine Art Lifestyle in ihrem Unternehmen. Es geht dabei mehr um die Gespräche und den Austausch als den Prozess.“ Treffender kann man es nicht formulieren. Diese Art des Lifestyles bedingt ein, wie mein Sohn sagen würde, „mit einander rumhängen“. Nur so können Menschen im Austausch miteinander Querverweise und neue Wege entdecken. Diesen Prozess gilt es in Gang zu setzen.

Gerade für Innovationen im Bereich der digitalen Welt ist dieser Prozess von entscheidender Bedeutung! Warum? Weil die Digitalisierung technische Möglichkeiten und Plattformen schafft, die an sich keinen Mehrwert haben. Erst die Kombination mit Anwendungsfällen schafft neue Lösungen. Die Techniker und Nerds verstehen die Möglichkeiten der Digitalisierung, aber erst die Fachleute aus bestimmten Bereichen der Unternehmen wissen, welche Probleme im operativen Geschäft wirklich damit gelöst werden können. Diese Gruppen gilt es in einer Art und Atmosphäre zusammenzubringen, die Ideen und Wissen fließen lässt: Ein Raum für Vorträge, Austausch, Kennenlernen, für gemeinsames Experimentieren und Rumhängen!

Wer Orte schafft, der schafft Möglichkeiten!

Mönchengladbach hat zu wenige Orte dieser Art! Wir denken immer noch zu sehr in klassischer Industriepolitik: Gewerbegebiete am Stadtrand wie der Nordpark sind wichtig für die weitere Entwicklung der Stadt, aber wir brauchen eine Art „Wespennest der Innovation“. Orte an denen Ideen durch Nähe fließen können und so zu Innovationen werden. Wir haben im Herzen Mönchengladbachs ein unbestelltes Feld für diese Entwicklung: Wir haben mit der Hochschule Niederrhein und der kommenden Textilakademie NRW einen Rohdiamanten, den wir in Form bringen sollten! Rund um diese Institutionen sollten Räume für den Innovationstransfer entstehen. Der Raum ist da: Das Polizeipräsidium wird in absehbarer Zeit frei, weitere Immobilien in der Nähe bieten sich an. Mit WESTEND.MG entsteht ein erster Ort dieser Art in der Stadt, einen Steinwurf entfernt – die NEW Blauschmiede kann sich vielleicht auch dahin entwickeln. Es würde ein echtes Innovationscluster in Mönchengladbach entstehen!

Für den Standort Mönchengladbach 2018/2019 sollte die Schaffung eines Innovationsclusters das wichtigste Ziel sein. Dabei geht es um weit mehr als nur Räume: Wir brauchen einen intensiveren Austausch von Unternehmen, Start-Ups, Forscherinnen und Forschern und Studierenden in einer offenen und kreativen Umgebung. Die Digitalisierung von Bereichen wie Textil (Smart Textile), Ernährung (Ökotrophologie), sozialen Diensten (Smart Health) und Sicherheit (Clavis – Kompetenzzentrum Datensicherheit an der HSNR), in denen die Hochschule Niederrhein stark ist, entwickelt sich rasant. Wenn wir eine Vorreiterrolle in diesen Bereichen einnehmen wollen, dann brauchen wir Räume und Konzepte für den Innovationstransfer. Das ist keine Spielerei, es ist die Grundlage für Innovationstransfer, den wir für die Entwicklung der lokalen Wirtschaft dringend brauchen.

 

Warum Mönchengladbach mit seinen Unternehmen das Thema Gründerkultur im digitalen Zeitalter angehen muss!

Der Management-Guru Peter Drucker hat mal gesagt, dass es nur zwei Hauptaufgaben eines Unternehmens gibt: Marketing und Innovation! Nur diese beiden Tätigkeiten des Unternehmens produzieren, was entscheidend im Markt ist: Produkte, die sich differenzieren und zu Umsatz führen. Jedes Unternehmen muss im Markt mit einem Produkt bestehen, das die Kaufentscheidung rechtfertigt. Eine Unterscheidbarkeit nur über den Preis – billiger als alle anderen – ist am Ende keine nachhaltige Marktposition. Jede nachhaltige Differenzierung basiert damit auf Innovation. Die Art wie Innovationen entstehen hat sich in den vergangenen 100 Jahren aber rapide verändert. Grund dafür ist unter anderem die Digitalisierung und der technische Fortschritt.

Steve Blank, US-amerikanischer Unternehmer, Dozent und Autor argumentiert in seinem Blog, dass Innovationen in der Vergangenheit durch einzelne Erfinder vorangetrieben wurden, die auf Basis ihrer Ideen große Unternehmen gründen konnten oder Produktionsprozesse, die extrem kostenintensiv waren, revolutionierten: Beispielsweise Henry Fords Erfindung des Fließbands oder Alexander Graham Bells Entwicklung des Telefons. Danach wurde das Thema Innovation in Unternehmen institutionalisiert: Es entstanden die großen Forschungsabteilugen – in Englisch Research & Development (R&D) genannt. Große Spieler wie IBM und Bell organisierten legendäre Forschungsinstitute, die abgeschottet an der nächsten großen Revolution arbeiteten. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Entwicklung von Innovationen mehr und mehr aus den Unternehmen ausgelagert worden.

Es begann mit dem Investment von Unternehmen in den Bereich Venture Capital (Risiko-Kapital). Seit den 80er Jahren und in den 90er beteiligten sich große Unternehmen auf einmal an kleinen Unternehmen oder kauften diese gleich ganz. Warum kam es dazu?

Innovation ist entscheidend, nicht Produktion!

Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die Digitalisierung und die Globalisierung von Produktionsmöglichkeiten und die damit verbundenen Kostenreduzierungen und Demokratisierung von Produktionsprozessen. Ein Beispiel: Ein Smartphone zu bauen ist heute eine Tätigkeit, die sich standardisiert an einen Produzenten in Asien auslagern lässt – Apple baut sein iPhone bei einem Hersteller Namens FoxConn. Als Auftragshersteller produziert das Unternehmen unter anderem für Hewlett-Packard, Dell, Nintendo, Microsoft und Sony. Der Konzern produziert im Auftrag die Spielekonsolen Nintendo DS, Wii, Xbox 360 und PlayStation. Der Bauplan und die technische Spezifikation inklusive der Software ist die eigentliche Leistung, die Montage ist mittlerweile eine Dienstleistung die bei Anbieter wie Foxconn global eingekauft werden kann. Unternehmen wie Apple haben das lange erkannt.

Da der Innovationsprozess immer stärker von Produktions- und Investitionsmitteln unabhängig geworden ist, können Forscher, Erfinder und kreative Unternehmer Innovationen in die Märkte bringen, ohne das Risiko einer investitionsintensiven Produktionsinfrastruktur zu tragen – man spricht von der Demokratisierung des Innovationsprozesses.

Damit rückt die Produktion der Hardware in den Hintergrund: Innovationen Ideen werden jetzt überall auf der Welt geboren und irgendwo produziert. Die Unternehmen haben reagiert und entsprechende Andockstationen an ihre Prozesse entwickelt: Das Managementkonzept nennt sich Open Innovation. Kurz gesagt: Warum auf 3, 35 oder 350 eigene Forscher setzen, um Innovationen zu kreieren, wenn es auf der Welt x-Tausende Experten zu dem Thema gibt. Unternehmen weltweit haben diesen Trend erkannt – Corporate Inkubatoren schießen wie Pilze aus dem Boden und etablierte Unternehmen beteiligen sich an Start-ups. Auch in Mönchengladbach: Im Dezember erwarb Scheidt & Bachmann Mehrheitsanteile an dem Start-up evopark.

Wenn wir diese Entwicklung auch für lokale Unternehmen stärker nutzbar machen wollen, dann brauchen wir ein Gründerklima am Standort Mönchengladbach. Dafür setzt sich der Verein nextMG mit seinen Mitgliedern ein. Unternehmen brauchen zum Wachstum in Zukunft mehr als preiswert erschlossene Gewerbegebiete, das ist Hardware, notwendig, aber nicht ausreichend. Gerade mittelständische Unternehmen am Standort brauchen eine Infrastruktur, um am Trend der Open Innovation zu partizipieren. Nicht jedes mittelständische Unternehmen kann in diesen Bereich investieren, daher ist die gemeinsame Entwicklung von Gründerzentren und Start-up Kultur jetzt notwendig.

 

Warum Gladbachs Unternehmer ihre eigenen Betriebe mit digitalen Möglichkeiten zerlegen sollten!

In den vergangenen Wochen wurde durch verschiedene Veranstaltungen in Mönchengladbach das Thema Digitalisierung stärker auf die Agenda gebracht. Der Konzern Klöckner gab Einblicke, was Digitalisierung für ein traditionelles Unternehmen bedeutet und wie es damit umgeht, trivago-Gründer Rolf Schrömgens berichtete bei der Gründerwoche, wie er sein Unternehmen in der digitalen Welt aufgebaut hat und in der vergangenen Woche, erklärte der Journalist und Buchautor Christoph Keese, wie die Digitalisierung, die er im Silicion Valley erkundet hat, die Wirtschaft durch disruptive Innovationen verändern wird.

Die Quintessenz all dieser Veranstaltungen lässt sich vielleicht auf zwei Nenner bringen:

1.) Digitale Transformation ist nicht bloße digitale Optimierung. Die Unternehmen müssen verstehen, dass das Thema Digitalisierung viel tiefgreifender ist als nur Prozessveränderung – es geht auch um neue Geschäftsmodelle und neue Unternehmenskulturen.

2.) Die Digitalisierung ist wie ein Geist, der aus der Flasche entwichen ist – es gibt keinen Weg zurück. Wir werden diese Entwicklungen nicht aufhalten können, auch wenn die Orte wie Silicon Valley weit weg sind und technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz und Blockchain noch unwirklich scheinen, sie werden unsere Wirtschaft, unser Leben und unsere Stadt verändern. Ob wir wollen oder nicht.

Was bedeutet das alles für den Wirtschaftsstandort Mönchengladbach – werden sich viele gefragt haben?

Das Ende der Sachbearbeitung – die Arbeitswelt der Zukunft verstehen

Ein Beispiel: Im Sommer hat der Versicherungskonzern AXA eine Versicherungspolice auf der Grundlage der Technologie Blockchain in den Markt gebracht. Es wäre jetzt hier zu ausführlich, die Blockchain zu erklären, aber im Kern: Ich kann einen Vertrag abschließen, der durch das System dokumentiert wird und der bei der Erfüllung der Bedingungen des Vertrags vollautomatisch bearbeitet wird. Das System gilt durch den dezentralen Aufbau als nicht manipulierbar. Zurück zur AXA. Der Versicherungskonzern bietet seit dem Sommer eine Reiseversicherung an, die automatisch bei Flugverspätungen den Antrag für die Kunden bei der Fluggesellschaft bzw. beim Konzern auf Entschädigung stellt. Alle Daten liegen vor – die Verspätung etc. wird automatisch erfasst, die Vertragsbedingungen sind im System hinterlegt, die Zahlung an den Versicherungsnehmer erfolgt automatisch. In dem ganzen Prozess gibt es also keinen menschlichen Sachbearbeiter mehr. Niemanden mehr, der den Vertrag prüfen muss, das macht die Technologie der Blockchain – man nennt das den „smart Contract“. Wie viele Menschen in Mönchengladbach arbeiten heute bei Versicherungen, Banken oder Dienstleistern als Schabearbeiterinnen und Sachbearbeiter? Wie viele werden in Zukunft in diesem Bereich noch Arbeit finden, wenn sich diese Technologie am Markt durchsetzt?  Welche Arbeitswelt werden wir in zehn Jahren vorfinden? Wie werden Unternehmen aus Mönchengladbach mit dieser Technologie umgehen und wie werden sie in Zukunft noch Produkte an den Markt bringen können, wenn sie diese Technologie nicht beherrschen?

Digitalisierung angehen – sich die neue Welt als Möglichkeit vorstellen

Die Digitalisierung wird nicht nur Geschäftsmodelle verändern, sie wird auch die Anforderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verändern! Wir müssen in Mönchengladbach auf IT-Kompetenz setzen. Wir brauchen an ALLEN weiterführenden Schulen IT- und Informatik-Ausbildung. Aber auch die Unternehmerinnen und Unternehmer, egal ob kleiner, mittlerer oder großer Betriebe, müssen das Thema Digitalisierung angehen – der Geist wird nicht wieder in der Flasche verschwinden. Bei einem Gespräch über das Thema, habe ich vor wenigen Wochen gesagt: „Nehmen sie sich eine Flasche Wein und surfen sie einen Abend im Internet, schauen sie sich die Entwicklungen an, die Technologien, die Möglichkeiten und dann stellen sie sich vor, in ihrer Branche kommt morgen ein Unternehmen, das alle diese Möglichkeiten nutzt. Wo sind sie angreifbar, wo würden sie Kunden verlieren. Zerlegen sie ihr eigenes Unternehmen.“ Das ist kein Witz, das ist der Anfang. Die beiden Bücher von Christoph Kesse „Silicon Valley“ und „Silicon Germany“ sind ein guter Start – dann aber ohne Wein. nextMG wird zusammen mit seinen Mitgliedern in 2018 weitere Veranstaltungen zu dem Thema anbieten.

Auftakt Gründerwoche in MG – trivago-Gründer Schrömgens: Gründer müssen offen sein und dazu lernen!

Guter Auftakt der Gründerwoche in Mönchengladbach: Rund 200 Interessierte kamen am Montagabend im Theater im Gründungshaus (TIG) in Eicken zusammen, um zu hören, was Rolf Schrömgens, Gründer und heutiger CEO von trivago, zu den Themen Gründerkultur und Digitalisierung zu sagen hatte. Bevor Schrömgens, der aus Mönchengladbach kommt und sein Unternehmen in Düsseldorf in einer Garage gegründet hat, die Bühne im TIG betrat, machte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners noch ein Geständnis: Der OB hatte Mitte der 80er Jahre als Journalist auch mal überlegt, sich selbständig zu machen. „Damals fehlte mir der Mut!“ Für Reiners war die Entscheidung nicht zu gründen aber letztendlich die richtige Entscheidung: „Immerhin bin ich jetzt OB“. Aber er sieht heute bessere Rahmenbedingungen für Gründer in der Stadt: „Heute würde ich jedem sagen: traut euch!“

Es braucht Mut und Offenheit eine Idee weiterzuentwickeln

Schrömgens schloss sich da an. Er berichtete, dass er seine Idee für das Unternehmen hatte als es ihm eigentlich „gar nicht so gut ging“: „Ich hatte kein Geld, hatte gerade bei meinen Eltern aufgehört zu arbeiten, da kam mir die Idee“. Da brauchte es Mut und vor allem Offenheit, die Idee auch zu verändern. „Meine erste Idee war nicht wirklich gut, aber wir haben losgelegt und die Idee immer weiterentwickelt, so sind wir dann in einem evolutionären Prozess zu dem gekommen, was wir heute sind“. Aus Schrömgens Erfahrung ist es eh selten, dass man mit der Idee, die man am Anfang hatte auch erfolgreich wird. „Man muss als Gründer offen sein und muss sein Ego zurücknehmen und die Idee an den Markt anpassen“. Intuition beim Entwickeln von Geschäftsmodellen sei „eh nur was für Genies“, Schrömgens rät dazu eher auf Daten und Analyse zu setzen: „Gucken was funktioniert und immer dazu lernen“, ist sein Rat an Gründerinnen und Gründer. Zudem sei Fokussierung wichtig für den Geschäftserfolg.

Digitalisierung: bei den Menschen und der Unternehmenskultur anfangen

Bei Thema Digitalisierung hat Schrömgens einen klaren Appell an alle Unternehmer: die Digitalisierung wird disruptive Entwicklungen bringen. Aber Schrömgens warnt davor einfach loszulegen: „Digitalisierung bedeutet Veränderung – vor allem für die Menschen im Unternehmen und die Unternehmenskultur. Man muss mit den Menschen anfangen und dann die Geschäftsprozesse nachziehen“, so seine Einschätzung.

Warum hat der Mönchengladbacher Schrömgens sein Unternehmen nicht in Mönchengladbach geründet? „Ich wohnte damals in Düsseldorf und ein Freund hatte eine Garage, in der wir angefangen haben. Damals gab es in Mönchengladbach keine schnell an- und abmietbare Co-Working-Büros, dann wären wir vielleicht nach Mönchengladbach gekommen“, berichtete Schrömgens. Das hat sich auch dank der Arbeit von nextMG geändert: Mit WESTEND.MG entwickelt sich gerade in der Stadt ein Projekt, das viel Raum für solche Bedarfe schaffen wird. Zudem haben sich bereits Projekte wie CO21 und NEOSTARTER in der Stadt etabliert.

Mehr zum Programm der Gründerwoche in Mönchengladbach start-upMG hier.