PM: Habt Mut!

Mönchengladbach, 19. März 2020

Not macht bekanntlich erfinderisch. Die Anweisung der Landesregierung, die Schulen dicht zu machen und den Unterricht dennoch fortzuführen, hat viele Schulen vor enorme Herausforderungen gestellt. Die in Mönchengladbacher Schulen vielfach angewandte Lösung, den zu erlernenden Stoff mit Angaben zu den Büchern und runterzuladenden Arbeitsblättern auf Schulwebseiten zu veröffentlichen, ist indes wenig erfinderisch und leider noch weniger zielführend. Welcher Jugendliche kann sich angesichts von Sonnenschein und steigenden Temperaturen schon zum Lernen motivieren? Seien wir ehrlich: Welcher Erwachsene kann es?

Gleichzeitig offenbart dieser Ansatz zwei eklatante Versäumnisse der Vergangenheit: Zum einen haben wir nicht sichergestellt, dass die Jugendlichen rein technisch in der Lage sind, den Lernstoff auf diese Weise abzurufen und zu bearbeiten. Hat jeder Schüler einen Drucker zuhause? Kann er überhaupt die Daten herunterladen? Ruft er seine Mails ab? Zum anderen dürfte das Gros der Eltern nicht darauf vorbereitet sein, ihren Kindern die dafür nötige Hilfestellung zu geben. Weder technisch noch didaktisch.

Das Meistern der Corona-bedingten Lernkrise hängt somit wieder vom Engagement einzelner Schulen und vor allem Lehrer ab. Erfolgversprechend sind wieder Modelle, die sich die Digitalisierung zu Nutze gemacht haben. Das zeigen Schulen wie die Privatschule HEBO, das Gymnasium am Geroweiher, die Gesamtschule Hardt oder auch das Gymnasium Odenkirchen. Sie waren schon vor der heutigen Situation den Umgang mit neuen Medien und Kommunikationskanälen gewohnt. In regelrechtem New Work Style motivieren sie jetzt mit Video-Chats, Skypen oder Software wie Discord ihre Schülerinnen und Schüler zum selbständigen Lernen des anstehenden Stoffes. „Ich hatte noch nie eine so hohe Anwesenheitsquote wie jetzt“, berichtet Felix Nattermann, Leiter der größten IT-AG der Stadt und schlicht auch Lehrer des Gymnasiums am Geroweiher, von seinem letzten Chat-Unterricht. „Meine Schüler sind den Umgang mit diesen Medien schlicht gewohnt und können ihn leicht für andere Fächer nutzen.“ Denn war ihn besonders freute, war, dass er nun auch viele Kollegen für diese neue Art des Unterrichtens begeistern konnte. „Wir schreiben alle Erfahrungsberichte, die wir gerne auch anderen Lehrern zur Verfügung stellen werden.“ Schließlich müsse Lernen auch für Lehrer eine Selbstverständlichkeit sein.

Learning by doing

Das Modell von jetzt auf gleich auf andere Schulen zu übertragen, ist indes Illusion. Selbst der neu gewählte Vorstand von nextMG brauchte Übung, um in neuer Besetzung innovative digitale Kommunikations- und Arbeitstools zu nutzen. Was aber alle Vorstandsmitglieder hatten und haben, ist das Fehlen jeglicher Angst vor Fehlern in der Welt des Digitalen. Dafür ist ihnen qua Funktion Lust und Mut zu eigen, Neues auszuprobieren. Eine Einstellung, die nextMG gerne auf die Bildungswelt übertragen würde und dafür laufend Empfehlungen für E-Learning-Tools an kooperierende und anfragende Schulen weitergibt. Nicht, um diese jetzt sofort alleinig zur Lösung der Not einzusetzen. Aber um die Not zu nutzen, zu experimentieren, Neues kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.

Es bleibt jedoch die Notwendigkeit der Diskussion, wie Schülerinnen und Schüler für Unterricht im Jahr 2020 ff. ausgestattet sein sollten. War es vor wenigen Jahren der grafikfähige Taschenrechner, der ob der hohen Anschaffungskosten von den Schulgemeinschaften zu stemmen war, muss es jetzt die Frage sein, ob nicht jeder Jugendliche ab der 5. Klasse einen Laptop und auch eine eigene von der Schule bereitgestellte Mailadresse mit entsprechendem Zugang haben muss. Bei einem verfügbaren Einkommen, das in Mönchengladbach mit rund 20.700 € pro Jahr an Platz 6 hinter Krefeld und nur noch knapp vor Essen und Duisburg rangiert, kann man sich den Aufschrei der Elternschaft nicht nur vorstellen, sondern durchaus nachvollziehen. Denn auch eine Vielzahl an Eltern und Pädagogen muss noch weitergebildet und begeistert werden für den Umgang mit der wachsenden Digitalisierung. Doch niemand weiß, wie hoch der Unterstützungsbedarf wirklich wäre. Lasst ihn uns doch herausfinden! Die Notwendigkeit war noch nie so offensichtlich wie jetzt. Dementsprechend hatte auch Mönchengladbach noch nie so gute Argumente für finanzielle Unterstützung wie jetzt.

Wenn die Lernkrise am Ende etwas Gutes gehabt haben soll, sollten wir alle jetzt Neues wagen. Unter Druck ist der Mensch zu so manchem fähig, vielleicht sogar zur Einführung stadtweit einheitlicher, funktionstiefer und motivierender Lernplattformen für innovatives Lehren und Lernen. „Trial & Error“ war schon zu Platos Zeiten das Grundprinzip des Unterrichtens. Solange man aus Fehlern lernt.

Für Rückfragen:

Ute Schmeiser
Vorstand Kommunikation
Telefon: 0175 502 2017
Mail: ute.schmeiser@nextmg.org

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